Zehn Jahre Smart
Smart: Ein Elefantenrollschuh startet durch

Lange Jahre war der Smart das hässliche Entlein bei Daimler. An seinem zehnten Geburtstag ist der Bonsai-Benz plötzlich ein Hoffnungsträger. So was lockt Neider an. Als erster verdirbt Toyota dem Smart die Party.

HAMBACH. Das Geburtstagskind ist silbermetallic und hat 71 PS. Die Kameras klicken, als Werksleiter Marcus Nicolai am Mittwoch um 13.10 Uhr mit dem einmillionsten Smart vom Band des Stammwerks in Hambach fährt. Flugs stellen sich Mitarbeiter in hellblauen Polo-Shirts hinter den kleinen Wagen und halten grüne Tafeln hoch. Weiße Ziffern zeigen eine Eins und sechs Nullen: eine Million.

Happy Birthday, Smart. Zehn Jahre gibt es den Cityflitzer nun – ein Jubiläum, an das vor nicht allzu langer Zeit kaum jemand bei Daimler geglaubt hatte. Doch Konzernboss Dieter Zetsche lächelt die dunklen Erinnerungen einfach weg. „Aus dem ungewöhnlichen Newcomer ist ein anerkanntes Erfolgsmodell geworden“, ruft der Mann mit dem Walrossbart, während der Regen über Lothringen aufs Fabrikdach trommelt. „Die Zeit ist smartgemäß – und ich bin überzeugt, sie wird es lange bleiben.“ Nach kaum 30 Minuten ist die Geburtstagsparty schon wieder vorbei. Ein kurzes Fest für ein kurzes Auto.

Kurz, aber oho. Zetsches Hambacher Fest ist nicht nur ein Jubiläum, es ist eine Demonstration. Denn der Smart ist so etwas wie das heißeste Pferd im Daimler-Stall – dank Klimadebatte und Benzinpreisen.

Der Weg hierher war lang. Über Jahre siechte der Smart im Daimlerreich vor sich. Neben schnittigen Limousinen der S-Klasse und bulligen Geländewagen der M-Klasse war der Zwerg auf Rädern das hässliche Entlein. Zumal die Finanzergebnisse auch hässliche Spuren in die Daimlerbilanz brannten: Allein von 2003 bis 2006 versenkte der Autobauer internen Unterlagen zufolge 3,9 Milliarden Euro mit dem Smart. Insgesamt sollen es bis zu acht Milliarden gewesen sein.

Vor zwei Jahren war Zetsche entschlossen, den Smart zu liquidieren. Monatelang ließ er die Investmentbank Goldman Sachs nach Käufern für die Kleinstwagenmarke fahnden. Selbst Daimler-Großaktionär Kuwait hatte – öffentlich – den Verkauf gefordert. Doch im letzten Moment dachte Zetsche um, und der Smart blieb ein Daimler.

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