Zehn Prozent
Gaspreis soll schon wieder steigen

Mehrkosten von bis zu 223 Euro jährlich könnten auf manchen deutschen Haushalt zukommen. Denn gut 100 Gasversorger sollen teils deftige Preissteigerungen planen. Und während Bundeswirtschaftsminister Michael Glos den Unternehmen schon einmal mit dem Bundeskartellamt droht, kündigt sich für November bereits die nächste Teuerungswelle an.

HB DÜSSELDORF. Auf Millionen Verbraucher rollt in den nächsten Wochen eine Welle von Gaspreiserhöhungen zu. Übereinstimmend rechnen Tarifinformationsanbieter wie Verivox oder Toptarif mit Erhöhungen auf breiter Front. Verivox geht davon aus, dass mindestens 100 Gasversorger im ganzen Bundesgebiet voraussichtlich im Juni und Juli die Preise um durchschnittlich rund zehn Prozent erhöhen werden. Nach Informationen von Toptarif planen mindestens 21 Versorger zum 1. Juni Preissteigerungen von Im Schnitt 8,5 Prozent. Damit, so das Unternehmen, hätten seit Jahresanfang mehr als 250 Anbieter ihre Preise heraufgesetzt. Zum 1. Juli würden bei weiteren 50 Versorgern Verteuerungen erwartet. Auf einen Vier-Personen-Haushalt in einem Reihenhaus könnten so in einigen Städten in der Spitze Mehrkosten von bis zu 223 Euro jährlich zukommen.

Und die Eon Ruhrgas AG hat bereits bestätigt, dass die Gaspreise zum nächsten Quartal erneut steigen werden. Zum Ausmaß äußerte sich der Essener Konzern jedoch nicht. In Medienberichten war über Preiserhöhungen von bis zu 25 Prozent spekuliert worden. Ein Sprecher verwies am Montag erneut auf die wegen des deutlich höheren Ölpreises kräftig gestiegenen Beschafffungskosten - bereits zum 1. April hatte Eon seine Preise erhöht. Wie hoch der Aufschlag diesmal ausfällt, ist noch offen. Der Eon-Ruhrgas-Vorstandsvorsitzende Bernhard Reutersberg will sich zur Preisentwicklung am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens äußern.

Trotz der angekündigten Gaspreiserhöhungen sieht das Bundeskartellamt derzeit keinen Grund, weitere Verfahren einzuleiten. Neue Preisanhebungen flössen in die bereits laufenden Verfahren ein, sagte eine Sprecherin am Montag in Bonn. Die Prüfung der seit Jahresbeginn laufenden Verfahren gegen 35 Gasversorger werde sich vermutlich noch bis Ende 2008 hinziehen. Ermittelt werde wegen einer möglicherweise missbräuchlichen Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung. Wirtschaftsminister Michael Glos hatte angesichts der Preiswelle allerdings am Wochenende eine stärkere Kontrolle der Energiekonzerne angekündigt: "Angesichts der angekündigten Preissteigerungen für Gas werden wir sehr genau die Einkaufspreise der Energieunternehmen überprüfen. Die Konzerne werden dem Bundeskartellamt jeden Cent einer solchen Preiserhöhung erklären müssen", wurde der CSU-Politiker in der "Bild am Sonntag" zitiert.

Und angesichts der Entwicklung der Energiekosten spricht sich Glos erneut für einen Verzicht auf den geplanten Atomausstieg aus: "Es zeigt sich immer mehr als Fehler, dass man in Deutschland immer noch plant, die sicheren Kernkraftwerke abzuschalten." Er bekräftigte zugleich, die Energiekonzerne müssten beweisen, dass ihre Preisanhebungen wirklich von höheren Einkaufspreisen "veranlasst" wurden. Eine Ursache für die hohen Preise sieht der Minister in der Stromerzeugung aus Gas. Dass aus Gas direkt Strom hergestellt werde, sei ein Fehler, sagte Glos.

Laut Verivox ist hingegen der Höhenflug der Rohölpreise ausschlaggebend für den anstehenden Preisanstieg. Die Gaspreise sind mit einer Verzögerung von etwa sechs Monaten an die Preise für Mineralöl gekoppelt. Ein Ende der Preisspirale ist nach Einschätzung von Verivox nicht in Sicht. Im August und September sei bei zahlreichen weiteren Gasversorgern mit Anhebungen zu rechnen. Und spätestens mit Beginn der Heizperiode am 1. November könne es erneut auf breiter Front zu Verteuerungen kommen.

Allerdings marschieren nicht alle Gasversorger im Gleichschritt. Ein Sprecher der Energie Baden-Württemberg sagte in Stuttgart, im Augenblick plane der Energieversorger keine Erhöhung der Gaspreise. Man müsse aber genau beobachten, wie sich die Bezugskosten bei den Vorlieferanten entwickelten. Zum 1. Januar war der Tarif in der Grundversorgung um 6,9 Prozent angehoben worden.

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