Zeitenwende in Dubai
Atlantis, auf Sand gebaut

Hochtief, Bayer oder Thyssen-Krupp: Vom Boom in Dubai profitierten viele deutsche Firmen. Nun ist das Emirat nicht mehr flüssig, viele Deals drohen zu platzen. Zwei deutsche Veteranen am Golf haben es kommen sehen – und glauben dennoch an eine goldene Zukunft.
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DUBAI. Wolfgang Vondracek ist Niedersachse, er gehört also zu einem nüchternen Menschenschlag. Doch wenn er an die Boomjahre in Dubai zurückdenkt, gerät er aus dem Häuschen. „Zwischen 2005 und 2007 war hier die Zeit der Euphorie: Es herrschte eine Goldgräberstimmung wie im Wilden Westen“, sagt der 58-jährige IT-Consultant. „Jeder, der ein bisschen Unternehmergeist hatte, konnte reich werden!“

Vondracek sagt „konnte“, nicht „kann“. Seit Mittwoch vergangener Woche dominiert die Vergangenheitsform in Dubai, dem Emirat am Persischen Golf, das sich selbst als Wiege der Zukunft schlechthin gerierte, als neues Atlantis. Seine Inseln wuchsen ins Meer hinein, seine Hochhäuser in den Himmel hinauf.

Nun ist die Sturmflut über Atlantis hereingebrochen.

Wolfgang Vondracek sitzt in einem Café am Madinat Jumeirah, Dubais beliebtem Markt. Seit 30 Jahren lebt er in Dubai. Die Sonne strahlt, 25 Grad, Touristen knipsen vorbeituckernde Boote, alles scheint wie immer. Vondraceks Blick streift das nahe gelegene Burj Al Arab, das segelförmige Luxushotel, das Symbol für Dubais Aufstieg. „Damals kauften die Leute, was das Zeug hielt, die Kredite waren billig.“ Auch sein Geschäft, Computerberatung für Firmen aller Art, gedieh prächtig, er stockte sein Büro von acht auf 13 Mitarbeiter auf.

Dass sich Dubai übernommen hat, erfuhr Maschinenbauer Vondracek vergangene Woche aus dem Internet. Dubai World, die mit fast 60 Milliarden Dollar in der Kreide stehende Investment-Gesellschaft von Dubai, hat um ein Schuldenmoratorium von sechs Monaten ersucht. Der Scheich ist klamm – was Wolfgang Vondracek nicht überrascht: „Jeder ahnte doch, dass Dubai seine gigantische Schuldenlast nicht allein abtragen konnte.“

Das trifft auch den Unternehmer aus Deutschland. Wegen der Finanzkrise hat Vondracek bereits sieben Angestellte entlassen. Nun könnte ihn die Dubai-Krise zu weiterem Schrumpfen zwingen. Aber bald, da ist sich Vondracek sicher, wird es schon wieder aufwärtsgehen in Dubai. So wie immer in den vergangenen 30 Jahren.

Wer den Aufstieg von Dubai erlebt hat, der mag nicht glauben, dass das Emirat eine Zeitenwende erlebt, den Abschied vom goldenen Zeitalter, die Abenddämmerung im Morgenland. „Do buy“ haben sie ihr Land oft genannt, „kaufen Sie nur!“ Nun heißt es für viele vielleicht „Bye-bye, Dubai“.

Gerade für die Deutschen am Golf ist das schmerzlich. Sie sind oft seit Jahrzehnten hier, sie gehörten zu den Ersten, die vom Boom profitierten, und bilden eine der wichtigsten „Business Communities“ in Dubai.

Unternehmer Vondracek ist nur einer von 6000 Deutschen, die im Emirat leben. Etwa 800 deutsche Unternehmen aller Branchen sind in Dubai aktiv. Sie bauen am neuen Atlantis mit, und sie bedienen von hier aus die Golfregion. Siemens engagiert sich in den Bereichen Industrie, Energie und Gesundheit. Thyssen-Krupp verkauft Aufzüge. Baukonzerne wie Hochtief und Züblin helfen, Brückenzu bauen und Hochhäuser in den Himmel zu schrauben. Die Deutsche Bank gehört mit ihrer Investmentabteilung zu den größten Finanzhäusern der arabischen Halbinsel. Bayer konzentriert sich auf Marketing und Vertrieb. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Handelsvertretungen und Ingenieurbüros.

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  • Seit 1999 immer wieder in Dubai, kauften wir in 2005, nicht blauäugig ein Apartment bei Nakheel. Der Albtraum begann 1 Jahr danach. Nakheel, transferierte an DMCC ( 100% Government), diese widerum an Al Fajer ( inhaber Maktoum Hasher Al Maktoum).Letztere wollte und zwingen einen blankovertrag zu unterschreiben - später kam heraus das zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt war, das es in diesem Tower gar kein Apartment gegeben hätte, sondern nur büros. Sämtliche bemühungen zu einer angemessenen Kompensationszahlung scheitereten,Anwälte wurden in Dubai für uns blockiert um uns eine Klage in Dubai unmöglich zu machen. Es blieb uns daher nur der Weg einer Straftanzeige hier in Deutschland - eine Straftanzeige wegen betrug gegen Maktoum Hasher Al Maktoum.
    So - und nicht nur bei uns - werden alle illussion über das einstige Dubai , wo die Welt noch bis 2004 in Ordnung war, zerstört
    braunschweig im Dezember 2009

  • Die boomjahre zogen aber auch einige Schwarze Schafe an. Siehe ACi etc. Und bei "Dubai aktuell" google "Duc de Calmit", da finden Sie einen weiteren aberwitzigen Fall. Selbst bekannte Größen machen als Vertreter von Abzockern mit und lassen unglückliche, teilweise blauäugige Anleger zurück. Riskieren ihr Renomee.

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