Zeitplan einhalten
RAG macht Tempo beim Börsengang

Trotz der Ungewissheit über seine persönliche Zukunft hält RAG-Chef Werner Müller an seinem Vorhaben fest, die Industrieaktivitäten der früheren Ruhrkohle im nächsten Frühjahr an die Börse zu bringen. Auch der politische Streit um die Kohlestiftung soll daran nichts mehr ändern. Dennoch könnte sich der Prozess um Monate verzögern.

DÜSSELDORF. Der RAG-Konzern dementierte am gestrigen Donnerstag Medienberichte, wonach Müller nicht mehr für das Spitzenamt in der geplanten Kohlestiftung zur Verfügung stehe. „Das ist eine Falschmeldung“, sagte ein Konzernsprecher. Müller sei aber für einen Kompromiss offen.

Um den bisherigen Zeitplan für den Börsengang einzuhalten, sollen Unterhändler der Bundesregierung, der Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland, der RAG und der Gewerkschaft IG BCE bereits in der kommenden Woche die Satzung der Kohlestiftung verabschieden. Nach langem Streit hatten sich CDU und SPD Mitte Mai endgültig auf einen Börsengang verständigt. Die insbesondere vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) favorisierte Filetierung des Konzerns wurde verworfen.

Aufgabe der Stiftung ist es nun, die RAG-Sparten Chemie, Energie und Immobilien als Gesamtpaket an die Börse zu bringen. Mit den voraussichtlichen Einnahmen von sechs Mrd. Euro sollen die Folgekosten des Bergbaus finanziert werden. Im Februar war der Ausstieg aus dem hoch subventionierten Steinkohlebergbau im Jahr 2018 beschlossen worden.

Rüttgers lehnt Müller als Stiftungschef weiterhin kategorisch ab. Auch den geplanten Wechsel von etwa 30 Bergbauexperten in die Stiftung will der Ministerpräsident verhindern. Um aber die Stiftung wie geplant bis spätestens Ende Juli zu gründen, muss er nun schleunigst einen Gegenkandidaten finden. Ein Sprecher der Düsseldorfer Landesregierung sagte am Donnerstag, er gehe davon aus, dass der Streit über Personalfragen zeitnah beigelegt werden könne – „wenn alle Beteiligten gut mitspielen“. Der neue Kandidat muss auch von der SPD, der RAG und der IG BCE akzeptiert werden, die bisher Müllers Kandidatur unterstützen. Erst wenn der neue Stiftungschef benannt ist, können die bisherigen RAG-Aktionäre, Eon, RWE, Thyssen-Krupp und der luxemburgische Stahlriese Arcelor Mittal, ihre Anteile zum symbolischen Preis von einem Euro an die Stiftung übertragen. Wie Thyssen-Kruppp-Chef Ekkehard Schulz noch in dieser Woche betonte, werden sie dies allerdings nur tun, wenn sie im Gegenzug von der Haftung für die Altlasten des Bergbaus freigestellt werden. Dies soll in einem Steinkohlebeihilfegesetz geregelt werden. Außerdem muss die Stiftung bis Ende Juli einen so genannten Erblastenvertrag mit den Kohleländern abschließen. Nur dann kann das Bundeskabinett noch vor der parlamentarischen Sommerpause den Entwurf des Steinkohlebeihilfegesetzes verabschieden.

Seite 1:

RAG macht Tempo beim Börsengang

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%