Zeitung: Börsenrückzug erwogen
Familie Ford schmiedet Zukunftspläne

Dem zweitgrößten US-Autobauer Ford geht es alles andere als gut. Die Kunden in der Heimat verschmähen seine Autos, die Mitarbeiter kosten zuviel Geld und die Börsianer hacken auf dem Unternehmen herum. Zumindest von letzterem Ärgernis könnte sich das Unternehmen mit einem geschickten Schachzug befreien.

HB NEW YORK. Ford zieht nach einem Bericht der Onlineausgabe von „USA Today“ vom Donnerstag eine „Privatisierung“ in Erwägung, das heißt den Rückzug von der Börse. Dadurch würde der angeschlagene Autohersteller Zeit für eine Restrukturierung gewinnen, ohne von Kritikern ständig unter die Lupe genommen zu werden, schreibt die Zeitung. „Die (Ford)-Familie sei bereit, sich alles anzuschauen“, hieß es. Es würden viele unterschiedliche Szenarien durchgespielt. Bei einem „blutarmen“ Aktienkurs von 7,76 Dollar würde eine Privatisierung nur 13,34 Mrd. Dollar (10,6 Mrd. Euro) kosten, schrieb das Blatt.

Die Ford-Familie besitzt zwar nur rund 5 Prozent der umlaufenden Ford-Anteile, kontrolliert aber 40 Prozent der stimmberechtigten Aktien. Ford nahm nach Angaben von „USA Today“ keine Stellung zu den Privatisierungs-Spekulationen.

Ford leidet unter rückläufigen Verkäufen im Heimatmarkt sowie hohen Gesundheits- und Pensionskosten bei seinen Mitarbeitern. Das führte zu hohen Verlusten. Die Krise ist mittlerweile so ausgeprägt, dass sogar Spekulationen über eine Insolvenz aufgekommen sind. Das hatte den Aktienkurs in den Keller gedrückt.

Radikale Sanierung

Ford fährt momentan einen radikalen Sanierungskurs, in dessen Zusammenhang zehntausende Mitarbeiter gehen müssen und ganze Werke geschlossen werden. Es ist sogar im Gespräch, dass sich Ford von Tochtermarken trennt wie etwa Jaguar. Der Konzern hatte erst kürzlich den früheren Investmentbanker Kenneth Leet angeheuert, um alle Möglichkeit der Sanierung zu untersuchen.

Ein Aktienrückkauf würde sich aber schwierig gestalten: Nach Darstellung der Zeitung halten fast 600 Banken und Investmentfirmen sowie 790 Investmentfonds Anteile. Hinzu kommen unzählige Kleinanleger. Die Ford-Aktien hatten in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 6,06 und 10,20 Dollar notiert. Die Vermögenswerte seien enorm unterbewertet, zitiert „USA Today“ einen Autoexperten. Das könnte viele Anleger davon abhalten, ihre Anteile abzugeben.



Gespräche mit Renault

Die Ford-Aktie hatte am Mittwoch 4,58 Prozent auf 7,76 Dollar zugelegt. Grund dafür waren US-Medienspekulationen, nach denen Ford eine Allianz mit Renault/Nissan anstreben könnte, falls die Gespräche zwischen dem französisch-japanischen Autokonzern und General Motors ergebnislos bleiben sollten. Die drei Unternehmen streben ein Bündnis an; die Entscheidung darüber soll in den kommenden Monaten fallen.

Ford-Konzernchef Bill Ford hatte nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom Mittwoch kürzlich mit Carlos Ghosn Kontakt aufgenommen, dem Konzernchef von Renault und Nissan. Ghosn habe klar gemacht, dass die Gespräche mit GM zunächst beendet sein müssten, bevor es Verhandlungen mit Ford geben könnte.

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