Zeitungsbericht
Pierer bekräftigt seine Unschuld

Der scheidende Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer soll einem Bericht zufolge bereits 1997 von dem Verdacht auf heimliche Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB gewusst haben. Angeblich existiert ein Dokument, welches das Gegenteil beweist. Doch Pierer beteuert weiter seine Unschuld.

HB MÜNCHEN. Der Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ stützt sich auf das Protokoll einer Sitzung des Aufsichtsrates vom Dezember 1997. Laut Protokoll sei Pierer und seinen Vorstandskollegen damals im Kontrollgremium von der IG Metall vorgehalten worden, dass Siemens Zahlungen an die AUB leiste.

Pierer hatte in der Nacht zum Freitag seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef angekündigt. Das System schwarzer Kassen bei Siemens und die Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB, wegen denen Konzernvorstand Johannes Feldmayer und andere hohe Manager verhaftet worden waren, fiel in Pierers Zeit als Siemens-Chef von 1992 bis 2005. Obwohl er als Aufsichtsratschef eine umfangreiche externe Aufklärung eingeleitet hat, war er als Chefkontrolleur in den vergangenen Wochen immer mehr unter Druck geraten.

Der scheidende Siemens -Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer bekräftigte unterdessen erneut, keine Kenntnis von den mutmaßlich illegalen Siemens-Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB gehabt zu haben. „Ich habe von den Vereinbarungen und Zahlungen, die derzeit Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind, nichts gewusst“, ließ Pierer am Freitagabend von einem Sprecher ausrichten.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor aus ihrer Samstagausgabe berichtet, Pierer sei 1997 bei einer Aufsichtsratssitzung von einem IG-Metall-Funktionär darauf aufmerksam gemacht worden, es bestehe der Verdacht, dass Siemens die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) finanziell unterstütze. Dem Zeitungsbericht zufolge, der sich auf ein angebliches Protokoll des Treffens stützt, schwieg Pierer zu den Äußerungen des Gewerkschafters.

Der damalige AUB-Vorsitzende Wilhelm Schelsky wurde Mitte Februar festgenommen und sitzt seither wegen des Verdachts auf Steuervergehen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg geht davon aus, dass Schelsky zwischen 2001 und 2006 mehr als 34 Mill. Euro von Siemens erhalten hat. In dem Zusammenhang kam auch Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer für einige Tage in Untersuchungshaft. Die Ermittler verdächtigen ihn der Untreue. Weder Pierer noch der aktuelle Konzernchef Klaus Kleinfeld werden in Nürnberg als Beschuldigte geführt.

Pierer hatte in der Nacht zum Freitag seinen Rücktritt angekündigt. Er zog damit die Konsequenzen aus den Korruptionsaffären des Konzerns, bekräftigte aber zugleich, er habe sich nichts vorzuwerfen. Sein Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums soll ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme werden.

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