Zeitungskrise und Überkapazitäten lassen Umsatz schrumpfen
Papierindustrie sucht Heil im Auslandsgeschäft

Die Krise in der Werbewirtschaft und in den Printmedien geht an der Papierindustrie nicht spurlos vorbei. Um rund 2 % ist der Umsatz der Papierfabriken in Deutschland im ersten Halbjahr gesunken. 2002 gab es bereits ein Minus von 2,7 % auf 12,3 Mrd. Euro. Auch der Absatz von Papier, Karton und Pappe geht weiter zurück.

DÜSSELDORF. 4,3 Mill. Tonnen produzierte die Industrie von Januar bis Juni, 0,8 % weniger als im Vorjsahreszeitraum. Den Grund sieht Klaus Windhagen, Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Papierfabriken (VDP), vor allem im schrumpfenden Markt für Zeitungen und Werbung.

Der Nachfragerückgang verschärft den Preisdruck. Besonders bei der Produktion von Zeitungspapier sieht Windhagen Überkapazitäten. Der Absatz von grafischen Papieren (vor allem Zeitungspapier) lag im ersten Halbjahr im Inland um 1,3 % unter Vorjahr. Bei Verpackungspapier und -karton betrug das Minus 1,8 %.

Auch die großen Papierkonzerne spüren die schlechte Marktlage. Der finnisch-schwedische Weltmarktführer Stora Enso meldet für das zweite Quartal einen von 211 auf 107 Mill. Euro gesunkenen Betriebsgewinn. Beim Konkurrenten Svenska Cellulosa ist der Gewinn im ersten Halbjahr in der Papiersparte um 28 % gefallen.

Trotzdem sind die Aussichten für Papiererzeuger mittelfristig recht gut. „Wir haben den Tiefpunkt erreicht“, glaubt Windhagen. Die Analysten von Merrill Lynch stuften die zyklische Branche jüngst von „underperform“ auf „outperform“ hoch und erwarten wieder steigende Erträge. Denn der weltweite Papierverbrauch wächst. PC und Digitalkameras lassen die Nachfrage in Büros und Privathaushalten steigen. Der Trend zum Einkauf über Internet und Versandhandel erfordert mehr Verpackungen, prognostizieren Experten.

Solange aber der Inlandsmarkt schwächelt, suchen die Hersteller einen Ausgleich im Export. Um 8,9 % auf 9,5 Mill. Tonnen ist die Ausfuhr im vergangenen Jahr gestiegen, die Exportquote erhöhte sich auf 52 %. Vor allem die Ausfuhr von grafischen Papieren nach Osteuropa boomt. Um 38 % stiegen diese Lieferungen im ersten Halbjahr 2003. „In Osteuropa stehen erst wenige große Papiermaschinen“, sagt Windhagen vom VDP.

Die Papierfabriken in Deutschland, die zu drei Vierteln ausländischen Konzernen gehören, produzierten im ersten Halbjahr 2003 mit 9,7 Mill. Tonnen 5 % mehr als 2002. Dies liegt zum Teil an den sehr langen Vorlaufzeiten: Im Jahr 2000 war Zeitungspapier knapp, es wurde viel investiert. Erst im Juli 2002 hat Rheinpapier eine Anlage für Zeitungsdruckpapier mit einer Jahreskapazität von 280 000 Tonnen bei Köln in Betrieb genommen. Eine ähnlich Entwicklung bahnt sich bei Wellpappe an: Vergangenen Oktober hat die Palm-Gruppe eine Anlage mit 600 000 Tonnen in Wörth in Betrieb genommen. Schon 2005 will die Hamburger Gruppe eine Maschine mit 265 000 Jahrestonnen in Spremberg anfahren.

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