Zeitungsmeldung
Große Volvo will bei kleiner Volvo einsteigen

In Schweden bahnt sich eine Familienzusammenführung an. Nach einem Zeitungsbericht könnte der LKW-Hersteller Volvo bald beim Autohersteller gleichen Namens einsteigen. Die Volvo-Gruppe hatte die PKW-Sparte 1999 an den US-Konzern Ford verkauft.

HB STOCKHOLM. Die schwedische Tageszeitung "Dagens Industri" berichtet, der LKW-Hersteller AB Volvo und sein größter Anteilseigner, der französische Autohersteller Renault, wollten einen Anteil von 10 bis 20 Prozent an der Tochter von Ford Motor erwerben. Laut dem Blatt hat Volvo Cars einen Wert von 7,5 bis 10 Mrd. Dollar.

Bei Ford gehört Volvo Cars zur Luxussparte Premier Automotive Group (PAG), zu der auch Jaguar, Land Rover und Aston Martin zählen. Der Konzern schreibt hohe Verluste und arbeitet daran, die Kosten drastisch zu senken. Neben Werksschließungen stehen auch Verkäufe von Unternehmensteilen zur Debatte.

Die Marken Jaguar und Land Rover werde Ford wahrscheinlich binnen etwa eines Monats verkaufen, zitiert das schwedische Blatt einen Informanten. Sobald dieser Deal über die Bühne sei, sei es an der Zeit, Volvo Cars zu verkaufen. Eine offizielle Stellungnahme sei im August oder September zu erwarten. AB-Volvo-CEO Leif Johansson wollte den Bericht nicht kommentieren.

Ford selbst hatte bisher Spekulationen über einen Verkauf von Volvo stets dementiert. Als Interessent war auch der Münchener Konzern BMW genannt worden. Richtig sei, dass Ford im Rahmen der eingeleiteten Sanierung sein Vermögensportfolio weiter überprüfe, erklärte der US-Autobauer. Laut Unternehmenskreisen hatte BMW Anfang 2007 Interesse signalisiert, einen Anteil an Volvo zu kaufen. Dieses Interesse sei nun allerdings erloschen, hieß es aus BMW-Kreisen.

Die Probleme von Ford regen nun vor allem in Hinblick auf die Premiumgruppe PAG die Phantasie der Konkurrenz an. Den britischen Sportwagenbauer Aston Martin, der ebenfalls zu PAG gehörte, hatte der neue Ford-Chef Alan Mulally schon im März an ein Investorenkonsortium mit kuwaitischer Beteiligung verkauft. Auch einen Verkauf von Jaguar und Land Rover hatte der Autobauer in der Vergangenheit nicht ausgeschlossen.

Nach Einschätzung von Branchenexperten könnte Ford frisches Geld gut gebrauchen. "Wenn Ford einen guten Preis für Volvo bekommen kann, wird man sich das sicher überlegen", sagte Analyst Kam Hon von DBRS. Ford steckt in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte und musste 2006 einen Verlust von fast 13 Mrd. Dollar hinnehmen. Der Konzern befindet sich daher am Anfang einer auf vier Jahre angelegten Sanierung. Mulally hatte bereits im Herbst angekündigt, dass der Autobauer erst 2009 wieder mit schwarzen Zahlen rechnet. Der frühere Boeing-Manager, der seit September 2006 an der Spitze des Unternehmens steht, will Ford durch Massenentlassungen und Fabrikschließungen in Nordamerika wieder auf Vordermann bringen. So sollen 16 Fabriken bis 2012 geschlossen und 45 000 Stellen gestrichen werden.

Volvo gilt als einer der Perlen unter dessen Premium-Marken. Neben BMW könnten an den Schweden auch der französisch-japanische Autobauer Renault-Nissan sowie der Finanzinvestor One Equity Partners interessiert sein. Renault und Volvo hatten bereits 1994 erfolglos versucht, eine Allianz zu schmieden. Beim Finanzinvestor One Equity Partners sitzt dagegen Jacques Nasser am Steuer. Der hatte als Ford-Chef die Luxussparte aufgebaut und war vor sechs Jahren gefeuert worden.

Für Ford haben sich die hohen Erwartungen an PAG nie erfüllt. Ursprünglich sollte die Luxussparte bis 2006 etwa ein Drittel der Gewinne von Ford erzielen. Stattdessen rutschte PAG zeitweise tief in die Verlustzone. Analysten schätzen, dass Ford bis zu acht Mrd. Dollar für Volvo einstreichen könnte. Die Marken der wieder profitablen PAG zählen zum Tafelsilber des Konzerns. PAG hatte im ersten Quartal des Jahres den Vorsteuergewinn auf 402 Mill. Dollar erhöht, nach nur 152 Mill. Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtkonzern war im ersten Quartal mit 282 Mill. Dollar netto ins Minus gerutscht.

Sollte Ford eine Marke aus dem PAG-Portfolio verkaufen wollen, halten Experten Volvo für die wahrscheinlichste Wahl. Die Schweden seien wenig verzahnt mit dem Mutterkonzern und verfügen über ein profitables Geschäft, sagte Stefano Aversa von Alix Partners.

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