Zement-Industrie
Ein Hilfspaket aus Beton

Staatsgelder schützen den Absatz, den Rückgang verhindern sie aber nicht. Während der Wohnungsneubau einbricht, winken Aufträge im Tiefbau. Insgesamt erwartet die Zementindustrie einen Rückgang des Verbrauchs um fünf Prozent auf 26 Millionen Tonnen. Der Absatz der Branche ist den ersten drei Monaten des Jahres um rund 20 Prozent eingebrochen

DÜSSELDORF. Die deutsche Zementindustrie erwartet in diesem Jahr zwar einen Abschwung, setzt aber auf Impulse durch die Konjunkturpakete. Die Hilfsprogramme der Bundesregierung seien geeignet, "um die Folgen der Finanz- und Konjunkturkrise für die Bauwirtschaft und die Baustoffindustrie abzumildern", sagte Andreas Kern, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Zementindustrie (BDZ). Die 22 deutschen Zementhersteller rechnen mit einem dicken Auftragsplus vor allem im Tiefbau.

"Die Stoßrichtung der Konjunkturpakete ist grundsätzlich richtig", sagte Kern. Er begrüßt den geplanten Ausbau der Infrastruktur. Von Tiefbauprojekten profitiert die Zementbranche nach der Faustregel, dass eine Mio. Euro Bauinvestitionen einen Zementbedarf von 170 Tonnen im Hochbau und 260 Tonnen im Tiefbau nach sich zieht.

Beim Branchenprimus Heidelberg Cement entfallen zum Beispiel rund 60 Prozent der Zementlieferungen auf die Bereiche Straßenbau und Infrastruktur. Konzernchef Bernd Scheifele rechnet ab der zweiten Jahreshälfte damit, überdurchschnittlich von den weltweit angeleierten Infrastrukturprogrammen zu profitieren. Allerdings erwartet Scheifele 2009 aufgrund der weltweiten Rezession einen Umsatzrückgang und eine Beeinträchtigung des operativen Ergebnisses. Doch plagen den Konzern im Moment ganz andere Sorgen. Er hat sich mit der Übernahme der britischen Hanson übernommen und muss nun sparen. Doch trifft dies vor allem ausländische Standorte mit allein 100 Schließungen in den USA und Großbritannien. Im vergangenen Jahr steigerte Heidelcement den Umsatz um 31 Prozent auf 14,2 Mrd. Euro und das operative Ergebnis vor Abschreibungen um 22 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro.

Wolfgang Bauer, Konzernchef des Konkurrenten Dyckerhoff, rechnet 2009 ebenfalls mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang im Konzern, nachdem er im Vorjahr noch deutlich zulegen konnte. In Russland und den USA wurden bereits Investitionspläne auf Eis gelegt. Doch in Deutschland will Bauer am Ausbau festhalten.

BDZ-Präsident Kern rechnet in Deutschland 2009 mit einem Rückgang des Zementverbrauchs um fünf Prozent auf 26 Millionen Tonnen. Damit revidierte er seine sehr optimistische Prognose vom Jahresanfang, als er noch von einer stabilen Entwicklung ausging. Doch ist der Absatz der Branche in den ersten drei Monaten um rund 20 Prozent eingebrochen. Frost und Schnee seien Schuld, nicht die Krise, betonte Kern, denn dann pausiert der Bau. Doch der Einbruch ist wohl nicht wieder aufzuholen. Der erwartete Zuwachs im Tiefbau dank der zusätzlichen öffentlichen Aufträge kann den Rückgang im Hochbau nicht mehr ausgleichen, zumal die Konjunkturprogramme ihre volle Wirkung erst im kommenden Jahr entfalten. Bei einem stabilen Absatz im Vorjahr stieg der Umsatz der Branche mit knapp 7 400 Mitarbeitern auf 2,3 Mrd. Euro. Preiserhöhungen machten es möglich: Nachholbedarf, begründete Kern. Die Branche sieht sich als Schlusslicht im internationalen Preisvergleich. Ein älteres Kartellverfahren gegen die Branche läuft noch.

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