Zementkonzerne
Holcim bekommt weiche Knie

Dem Schweizer Zementkonzern Holcim setzen der konjunkturelle Einbruch und der Kostenschub für Energie zu. Der weltweit zweitgrösste Anbieter erlitt im dritten Quartal 2008 einen Gewinneinbruch um ein Viertel auf 673 Millionen Schweizer Franken und verfehlte damit die Markterwartungen.

ZÜRICH. Der Schweizer Zementhersteller Holcim ist von der weltweiten Wirtschaftskrise voll erwischt worden. Der Konzerngewinn ging im dritten Quartal um 23 Prozent auf 673 Mio. Franken zurück. Das Unternehmen reagiert auf die Absatzflaute mit Werksschließungen in Spanien und den USA.

Für die nächsten Monate bleibt Holcim pessimistisch. Das schwierige Geschäftsumfeld werde die Erträge im Schlussquartal weiter drücken, teilten die Eidgenossen mit. Der Kurs an der Schweizer Börse sackte zum Handelsbeginn um mehr als acht Prozent ab. Hocim hat in diesem Jahr bereits mehr als die Hälfte seines Marktwertes verloren.

Die Hiobsbotschaft aus der Schweiz kommt nur eine Woche nachdem Heidelberg-Cement einen Ertragseinbruch von rund 40 Prozent hinnehmen musste. Der französische Weltmarktführer Lafarge hat unterdessen sein Gewinnziel für 2010 aufgegeben. Die Ze-menthersteller sind Opfer der Immobilien- und Wirtschaftskrise, die sich von den USA aus auch auf andere Regionen der Welt ausgebreitet hat.

„Insbesondere in den USA, Großbritannien und Spanien war die Baustoffnachfrage stark rückläufig“, berichtet Holcim. Hinzu kommt, dass die steigenden Einkaufspreise nur begrenzt an die Kunden weiter-gegeben werden konnten. Um dem Kostendruck zu begegnen schließen die Schweizer zwei Zementwerke in den USA und eine weitere Fabrik in Spanien. Die damit verbundenen Kosten belaufen sich auf 300 Mio. Franken und sollen im vierten Quartal verbucht werden.

Der Einbruch in den USA ist für Holcim besonders schmerzhaft, generiert der nordamerikanische Markt doch etwa ein Fünftel des Konzernumsat-zes von rund 6,9 Mrd. Franken im dritten Quartal. Allein der Kapazitätsabbau in den USA umfasst eine Jahresleistung von 2,2 Millionen Tonnen Zement. „Die US-Bauwirtschaft hat die Talsohle noch nicht erreicht und in Kanada ist von einer Marktabschwächung auszugehen“, warnen die Eidgenossen. „Der größte Teil der schlechten Nachrichten ist jetzt raus“, sagte Patrick Laager, Analyst bei der Vontobel Bank in Zürich, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%