Zenit überschritten
Aktionäre schicken Porsche auf Talfahrt

Der Sportwagenbauer hat sich mit einem Gewinnsprung in eine neue Dimension katapultiert und nimmt den nächsten Schritt zum europäischen Großkonzern. Zahlreiche Aktionäre jedoch nutzten am Montag aber die guten Zahlen als Gelegenheit zum Ausstieg. Die Porsche-Aktie brach zeitweise mehr als zehn Prozent ein. Vor allem zwei Dinge verschreckten die Anleger.

FRANKFURT/STUTTGART. Mit einem unerwartet hohen Rekordergebnis von 5,86 Mrd. Euro vor Steuern aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr im Rücken machte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den Weg für die geplante neue Europa AG frei. Heute werde die neue Porsche Automobil Holding in der Rechtsform der Societas Europaea (SE) im Handelsregister eingetragen, bestätigte ein Sprecher. Unter diesem Dach werden künftig die Porsche AG und die Beteiligung an VW gebündelt.

Die gewaltige Steigerung des Vorsteuergewinns um fast das Dreifache verdankte Porsche vor allem Aktienoptionsgeschäften mit VW-Papieren, die allein 3,59 Mrd. Euro zum Ergebnis beitrugen. Branchenkenner hatten mit einem Ergebnis von maximal vier Mrd. Euro gerechnet. Porsche spielt als profitabelster Autohersteller der Welt momentan in einer eigenen Liga und strotzt damit vor einem möglichen Griff nach der Mehrheit bei VW vor Selbstbewusstsein.

Zahlreiche Aktionäre jedoch nutzten die guten Zahlen als Gelegenheit zum Ausstieg. Die Porsche-Aktien brachen am Montag um zeitweise mehr als zehn Prozent ein. Sie verloren letztlich 8,5 Prozent, während zahlreiche Analysten ihre Kursziele nach oben anpassten und die Aktie erneut zum Kauf empfahlen.

Porsche hatte zuvor Hoffnungen auf eine rasche Aufstockung der 31-prozentigen Beteiligung gedämpft. Dies "stand nicht auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats“, sagte ein Sprecher. Aus Unternehmenskreisen verlautete, "die Wahrscheinlichkeit, dass über die Aufstockung bei VW noch dieses Jahr entschieden wird, geht gegen null“. Auch eine Kurzstudie von Merrill Lynch, wonach das operative Geschäft der Stuttgarter einige Schwächen aufweise, hatte die Investoren verschreckt.

Dabei profitieren die Anleger von der aggressiven Fahrt des Sportwagenkonzerns. Die Porsche-Vorzugsaktionäre sollen als Dividende 22 Euro erhalten, im Vorjahr waren neun Euro gezahlt worden. Zugleich plant Porsche einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu zehn. Die Aktie gehört zu den optisch teuersten in Deutschland.

Dank der guten Zahlen geht Porsche mit breiter Brust in eine gemeinsame Zukunft mit VW. Die neue Porsche Automobil Holding, unter deren Dach künftig die Porsche AG und die Beteiligung an VW firmieren, wird das künftige Machtzentrum für die beiden Konzerne. Der VW-Betriebsrat hatte erfolglos versucht, den Umbau Porsches zu einer SE zu stoppen. Das Arbeitsgericht Ludwigsburg hatte im Oktober den Antrag der Wolfsburger Arbeitnehmervertreter auf eine einstweilige Verfügung dagegen abgeschmettert.

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