Zentralisierung des Unternehmens
Umbau von Heidelberg-Cement kostet 1100 Stellen

Der weltweit viertgrößte Zementhersteller Heidelberg-Cement hat angekündigt, europaweit 1100 Stellen abzubauen. Deutschland kommt noch recht glimpflich davon, gewinnt nach Ansicht des Unternehmens sogar.

HB FRANKFURT. Die Stellen sollten in den kommenden zwei bis drei Jahren in 13 Ländern Europas abgebaut werden, teilte die Gesellschaft am Dienstag in Heidelberg mit. In Deutschland sollen rund 220 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Heidelberg-Cement verspricht sich von dem Stellenabbau jährliche Einsparungen in Höhe von 50 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 42 000 Mitarbeiter, davon 25 000 in Europa.

Der Konzern soll zentralisiert werden, erläuterte das Unternehmen den Stellenabbau. Dadurch werde die Zentrale in Heidelberg gestärkt. Die Abschaffung der bislang dezentralen Konzernorganisation werde zu „schlanken Strukturen, Transparenz, schnelleren Entscheidungen und zu einer deutlich erhöhten Umsetzungsgeschwindigkeit führen“, hieß es.

Unter anderem soll in jedem Land eine gemeinsame Zentrale für die Geschäftsfelder Zement, Transportbeton sowie Sand und Kies geschaffen werden, die sich um Personal und Rechnungswesen kümmere. Zudem sollen verschiedene zentrale Funktionen wie Finanzwesen und Revision nach Heidelberg verlagert und die Hauptverwaltung in Malmö in Schweden geschlossen werden. IT-Infrastruktur und technische Dienstleistungen will der Konzern ebenfalls zentralisieren. Auch beim Einkauf sollen durch Spezialisierung auf Produktgruppen Einsparungen erzielt werden.

Die Präsenz im Ausland macht den vor 132 Jahren gegründeten Konzern weitgehend unabhängig von den Widrigkeiten im deutschen Markt, auf dem nur gut 10 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden. Der Absatzschwund im Inland wurde durch die Übernahme von Zementwerken in Nord- und Westdeutschland gebremst.

Inwiefern der neue Mehrheitseigner für den Stellenabbau verantwortlich ist, teilte das Unternehmen nicht mit. Die Familie um den schwäbischen Pharmaunternehmer Adolf Merckle hatte im Laufe der vergangenen Monate sukzessive den Anteil an Heidelberg-Cement aufgestockt. Nach Zahlen aus der vergangenen Woche hat Merckle inzwischen rund 79 Prozent des Grundkapitals aufgekauft. Die von Merckle und seiner Familie kontrollierte Beteiligungsgesellschaft Spohn-Cement kommt nach seinen Angaben auf 67,8 Prozent. Inklusive indirekter Beteiligungen über Tochterunternehmen und gemeinsam handelnder Personen ergebe sich dann der Anteil von 79 Prozent.

Die Übernahme von Heidelberg-Cement sei von der Royal Bank of Scotland finanziert worden, die diese Finanzierung als syndizierten Kredit an andere Institute weiterreiche, sagte Merckle bei Bekanntgabe der neuesten Anteilszahlen. Der Heidelberg-Cement-Vorstand hatte die Übernahme gebilligt. Merckle hatte Anfang des Jahres seinen Vertrauten Bernd Scheifele als Vorstandschef bei Heidelberg-Cement installiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%