
RüsselsheimGeneral-Motors-Konzernchef Dan Akerson plant nach Informationen der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg die bislang in der Hand regionaler Manager liegenden Zuständigkeiten auf globaler Ebene zu bündeln. Bloomberg berief sich dabei am Freitag auf zwei in die Pläne eingeweihte Personen. Sprecher von GM und Opel waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine kompletten Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.
In Bochum liefen 2011 der Astra Classic und zwei Zafira-Modelle vom Band. Bis 2016 gibt es eine Bestandsgarantie. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden. Ein Logistikzentrum und eine Komponentenfertigung sollen dort verbleiben.
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.
In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.
In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.
In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.
Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.
Über lange Zeit hatte General Motors seinen Marken weitgehend freie Hand gelassen. Das galt selbst im Heimatland USA, besonders aber für die ausländischen Tochtergesellschaften wie Opel und Vauxhall in Europa oder Holden in Australien. GM-Boss Akerson hat bereits angedeutet, dass er den Konzern stärker zentralisieren will. „Wir sind ein globales Unternehmen, das agiert, als ob es aus kleinen Fürstentümern bestünde“, sagte er nach Angaben der Lokalzeitung „Detroit News“ vor einer Woche vor Mitarbeitern. „Das muss aufhören.“
Das Ringen um die Sanierung des verlustreichen Autobauers Opel und dessen britischer Schwestermarke Vauxhall hat bereits aufgezeigt, dass sich die GM-Zentrale stärker einmischt als früher. So ist der zweite Mann im Konzern, Strategiechef Stephen Girsky, gleichzeitig Aufsichtsratschef bei Opel. Girsky hatte sogar kurzzeitig die Geschäfte in Rüsselsheim geführt, nachdem der bisherige Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen musste. Auch bei der Entwicklung neuer Wagen arbeitet Opel längst eng mit den anderen GM-Marken zusammen.