Zerschlagung nicht unwahrscheinlich
Das Ringen um Alstom geht weiter

Über den milliardenschweren Rettungsplan für den angeschlagenen Maschinenbaukonzern Alstom wollen sich Frankreichs Finanzminister Nicolas Sarkozy und EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti verständigen.

HB BRÜSSEL/BERLIN. Nach zweistündigen Beratungen in Brüssel kündigten Sarkozy und Monti am Montag weitere Gespräche auch auf Arbeitsebene an, bei denen schnelle Fortschritte angestrebt würden. Die französische Regierung hatte den Rettungsplan im Volumen von 4,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr vorgelegt, wartet aber noch auf die endgültige Genehmigung der EU-Kommission. Das Paket könnte jedoch nicht ausreichen, um den Hersteller von Gasturbinen und des Hochgeschwindigkeitszugs TGV zu retten. Insbesondere Banken dringen auf drastischere Schritte, um das Überleben Alstoms sicher zu stellen. Branchenexperten halten gar eine Zerschlagung für denkbar.

Es gilt als sicher, dass der Siemens-Konzern an einzelnen Sparten wie dem Turbinen-Geschäft von Alstom interessiert ist. Siemens-Chef Heinrich von Pierer hielt sich am Montag in Berlin zwar erneut bedeckt, sagte aber mit Blick auf die Gespräche von Alstom mit der EU: „Ich glaube schon, dass sich da was bewegen kann.“ Er habe großes Verständnis für die Franzosen, die eine Ikone ihrer Industrie nicht fallen lassen wollten. „Wir müssen aber schon auf Dauer erreichen, dass die Wettbewerbsbedingungen für alle gleich sind. Und da können staatliche Subventionen höchstens für eine gewisse Zeit gegeben werden.“ Vorgaben von Monti und seiner Wettbewerbsbehörde halte er für notwendig. Auf deren Grundlage müssten die Franzosen dann Entscheidungen treffen.

Frankreichs Finanzminister Sarkozy sagte, die Gespräche mit der EU würden am Dienstag auf Arbeitsebene fortgesetzt. Er selbst werde möglicherweise in der kommenden Woche erneut zu Gesprächen mit Monti nach Brüssel reisen. „Es gibt eindeutig, so scheint es mir, einen gemeinsamen Willen, eine Lösung zu finden“, sagte er. Ein EU-Kommissionssprecher sprach von vielversprechenden Ansätzen.

Nach Angaben aus Branchenkreisen könnte Alstom ganz oder in Teilen an das staatliche Atomenergie-Unternehmen Areva oder eben an Siemens verkauft werden. 2003 hatte Siemens für rund 1,1 Milliarden Euro das Geschäft mit kleineren Industrieturbinen von Alstom übernommen. Erst in der vergangenen Woche hat Alstom aber bekräftigt, es gebe keine Gespräche mit Siemens.

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