Zerstrittene Nato-Partner brauchen neue Kampfflugzeuge – Heftiges Ringen um Orders
Eurofighter hofft auf die Türkei und Griechenland

Trotz des politischen Tauwetters zwischen Athen und Ankara rüsten die einstigen „Erbfeinde“ Griechenland und Türkei weiter gegeneinander auf. Profitieren könnte davon das Eurofighter-Konsortium. Doch während Ankara Interesse am europäischen Kampfflugzeug zeigt, sind bisher alle Versuche, die Hellenic Air Force als Kunden zu gewinnen gescheitert. Erst im Juli beschloss die Athener Regierung, für ihre Luftwaffe 30 Kampfjets vom US-Typ F-16 zu kaufen und Optionen über weitere zehn Maschinen aufzunehmen.

HB ATHEN. Dabei hatte sich das europäische Konsortium bereits Anfang 2001 in Griechenland am Ziel geglaubt: damals paraphierte die sozialistische Athener Regierung einen Vertrag über die Beschaffung von 60 Eurofighter-Jets und Optionen auf weitere 30 Maschinen. Doch das Geschäft wurde erst wegen finanzieller Engpässe auf Eis gelegt, dann wechselte im März 2004 die Regierung. Zwar versicherte der neue Ministerpräsident Kostas Karamanlis noch im März 2005, am Eurofighter festhalten zu wollen. Doch zu diesem Zeitpunkt dürfte die Wahl bereits auf den US-Jet gefallen sein. Griechische Verteidigungs-Analysten führen die Entscheidung auf massiven Druck der USA zurück.

Bei der Führung der Hellenic Air Force stößt die Entscheidung für das US-Muster auf Widerstand: die F-16 sei ein Auslaufmodell, das bereits dem Ende seines Zyklus entgegen gehe, kritisiert ein ranghoher Luftwaffenoffizier, der nicht namentlich zitiert werden will. Eindeutiger Favorit der Militärs sei der Eurofighter, bestätigen Luftwaffenkreise. 2006 will die griechische Regierung über die Beschaffung weiterer 30 Kampfflugzeuge plus zehn Optionen befinden. Dann könnte der Eurofighter doch noch zum Zuge kommen. „Wir gehen davon aus, dass dies die Eurofighter-Tranche sein wird“, sagt Erwin Obermeier, Chef der Griechenland-Kampagne bei Eurofighter.

Helfen könnte dabei die Türkei. Denn die will 2006 über die Beschaffung von bis zu 120 Kampfflugzeugen entscheiden. Das Eurofighter-Konsortium rechnet sich gute Chancen aus, zumal man schneller liefern kann als die Wettbewerber. Hauptkonkurrent ist Lockheed Martin mit der F-35, dem Joint Strike Fighter, der aber frühestens ab 2015 zur Verfügung steht. Murad Bayar, Chef der staatlichen Rüstungs-Beschaffungsbehörde SSM, bestätigte kürzlich: „Wir sind definitiv auch am Eurofighter interessiert.“ Bis Ende 2006 werde entschieden, „ob wir die F-35, den Eurofighter oder beide Muster bestellen“. Für den Eurofighter könnte dabei auch politisches Kalkül sprechen: Eine Bestellung dürfte sich förderlich auf die EU-Beitrittsverhandlungen auswirken.

Ordert die Türkei den Eurofighter, würde Athen wahrscheinlich nachziehen, um im Wettlauf um die Lufthoheit über der Ägäis nicht abgehängt zu werden, glauben Verteidigungsexperten. „Beide Regierungen beobachten sehr genau, was im jeweils anderen Land geschieht und reagieren darauf“, sagt Eurofighter-Verkäufer Obermeier.

Auch Gerhard Schröder äußerte in einem Brief an seinen griechischen Kollegen Karamanlis am 23. August sein Bedauern darüber, dass sich Griechenland für die F-16 entschieden habe. Schröder unterstrich, es würde ihn „sehr freuen, wenn Ihre Entscheidung über die Beschaffung der nächsten Tranche moderner Kampfflugzeuge zugunsten des Eurofighter ausfallen würde“. Das griechische Antwortschreiben vom 12. September macht den Eurofighter-Verkäufern Hoffnung: Karamanlis versicherte Schröder, er betrachte eine Eurofighter-Beschaffung als „wichtigen Schritt“ zur Integration Griechenlands in eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%