Zetsche spricht von „Jahrhundertkrise“
Daimler weitet Kurzarbeit aus

Daimler weitet im April die Kurzarbeit noch aus. Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland wird dann betroffen sein. Konzernchef Dieter Zetsche spricht von einer "Jahrhundertkrise", die IG Metall rechnet schon bald mit Entlassungen bei deutschen Autobauern. Dennoch gibt es für die Stuttgarter einen Hoffnungsschimmer.

HB BERLIN/STUTTGART. Beim Autokonzern Daimler werden in Folge der Wirtschaftskrise von April an 68 000 der 165 000 Beschäftigten in Deutschland in Kurzarbeit gehen. Das bekräftigte Konzernchef Dieter Zetsche am Mittwoch in Berlin. Nach seinen Worten befindet sich die Autoindustrie in einer "Jahrhundertkrise". Opel sei nur die Spitze des Eisbergs: "Die Krise trifft uns ins Mark." In Daimlers deutschen Pkw-Werken sind seit Wochen mehr als 50 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Zetsche warnte vor bloßem Aktionismus. Die Krise könne nur gemeinsam bewältigt werden. Der Daimler-Chef rief die Gewerkschaften zur Unterstützung auf. Es gebe aber keine Erfolgsgarantie, wenn die Krise weitergehe.

Die IG Metall rechnet bei anhaltender Autokrise in wenigen Monaten auch mit Entlassungen bei den Herstellern. Bisher sei dies zwar vermieden worden, sagte Gewerkschaftschef Berthold Huber am Mittwoch in Berlin. "Dies könnte sich ab Sommer dramatisch verändern." Die Gewerkschaft werde darum kämpfen, dass es nicht zu einem Stellenabbau kommen werde. "Die Autoindustrie hat in der Vergangenheit hohe Gewinne gemacht, sie ist jetzt in der Pflicht gegenüber der Belegschaft." Wer von der IG Metall in der Krise etwas haben möchte, der müsse Arbeitsplätze garantieren und Beteiligungen ermöglichen, sagte Huber. "Ohne erweiterte Mitbestimmung geht gar nichts."

Trotz Hubers und Zetsches Aussagen sieht Daimler beim Pkw-Absatz nach einer monatelangen Talfahrt wieder einen ersten Hoffnungsschimmer. Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle erwartet, dass im März die Rückgänge bei den Verkäufen nicht mehr ganz so deutlich ausfallen wie in den Vormonaten. In der Produktion der A- und B-Klasse werde es voraussichtlich im zweiten Quartal weniger Kurzarbeit geben, sagte Schmückle am Mittwoch in Stuttgart. Außerdem könnten je nach Auftragslage auch die Beschäftigten in Kurzarbeit wieder mehr Stunden pro Woche arbeiten. Eine "radikale Verbesserung" werde es aber zunächst nicht geben. "Wir werden uns langsam aus dem Tal herausbewegen. Ich glaube, dass wir im zweiten Halbjahr eine leichte Erholung sehen werden."

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