ZF Friedrichshafen
Zulieferer schultert die TRW-Übernahme

ZF Friedrichshafen hat im vergangenen Jahr den US-Konkurrenten TRW Automotive übernommen. Der Deal hat gute Chance, sich zur Erfolgsgeschichte zu entwickeln. Entscheidend ist jetzt die Integration.

MünchenDie Liste gescheiterter oder zu kostspieliger Fusionen und Milliardenübernahmen ist lang. Experten schätzen, dass nur ein Drittel aller Transaktionen langfristig Mehrwert für die Aktionäre schaffen. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen legte im vergangenen Jahr den größten Deal in der Autobranche hin und übernahm für 12,4 Milliarden Euro den US-Konkurrenten TRW Automotive. Die Übernahme hat gute Chancen, einmal eine Erfolgsgeschichte zu werden. Ein Jahr danach ist Finanzvorstand Konstantin Sauer jedenfalls zuversichtlich, dass die Strategie aufgeht: „Wir sind zufrieden. ZF hat durch die Transaktion einen großen Schritt nach vorne gemacht.“

Die Großübernahme habe viele überrascht, sagte Sauer beim CFO-Kongress des Handelsblatts, sie habe strategisch aber genau in die „Strategie ZF 2025“ gepasst. In der Vergangenheit sei das Portfolio nicht gut auf die Megatrends der Zukunft wie das autonome Fahren vorbereitet gewesen. Durch die Übernahme von TRW habe sich das geändert, weil sich die Produktportfolien gut ergänzten.

Entscheidend ist nun die Integration. Diese müsse vorsichtig erfolgen, betonte Sauer. „Beide Firmen sind erfolgreich.“ Die strukturelle Integration geht schrittweise voran. Natürlich sei man in einigen Bereichen interessiert, schnell Synergien zu erzielen, vor allem im Einkauf. „Wir konnten ab dem ersten Tag relativ schnell die Materialbeschaffung zusammenziehen.“

Doch da beide Unternehmen gut unterwegs waren, aber unterschiedliche Firmenkultur haben, ging ZF bei der Integration behutsam vor. Während die Deutschen in Stiftungsbesitz und eher dezentral organisiert sind, war TRW an der Börse und eher zentral geführt, erläuterte Sauer einige der unterschiedlichen Ausgangspositionen. Auch bei den Prozessen hätten beide Unternehmen ihren eigenen „Herzschlag“. „Aber auch da müssen und wollen wir harmonisieren“, ergänzt Sauer. Da gelte es, das Beste aus beiden Welten zu identifizieren. Wichtig sei, das wisse man bei ZF aus früheren Übernahmen, ein professionelles Integrationsmanagement.

Schlaflose Nächte hat Sauer der Deal trotz des hohen Preises nicht bereitet. Wenn man solche Schritte nicht wage, könne man auch Probleme bekommen. Daher müsse man wissen, wo die Grenzen seien. Diese müsse man beachten. ZF hatte die Übernahme weitgehend fremdfinanziert und einen Teil des Geldes in US-Dollar aufgenommen, um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern. Das Timing war bislang gut, da ZF durch die gute Konjunktur der vergangenen beiden Jahre die Verschuldung bereits deutlich reduzieren konnte.

ZF will gemeinsam mit TRW in diesem Jahr um sechs Prozent auf 35 Milliarden Euro Umsatz wachsen und dabei fünf bis sechs Rendite erreichen. Der Stiftungskonzern kämpft damit in einer Liga mit den beiden Branchenführern Bosch und Continental.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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