ZF und Haldex Bündnis gegen Knorr

Im erbitterten Übernahmekampf der Autozulieferer ZF Friedrichshafen und Knorr-Bremse um den schwedischen Lkw-Bremsspezialisten Haldex hat sich das Objekt der Begierde klar auf eine Seite geschlagen.
Mit dem Zukauf will sich der Autozulieferer als Anbieter für die Technik zum autonomen Fahren positionieren. Quelle: dpa
ZF-Werk in Friedrichshafen

Mit dem Zukauf will sich der Autozulieferer als Anbieter für die Technik zum autonomen Fahren positionieren.

(Foto: dpa)

HannoverKnorr-Bremse und der Autozulieferer ZF Friedrichshafen liefern sich seit längerem schon einen erbitterten Bieterkampf um den schwedischen Lkw-Bremsenspezialisten Haldex. Der hat jetzt klarer denn je seine Wunschvorstellung ausgesprochen: „Wir betrachten das als freundliche Übernahme“, warb Haldex-Chef Bo Annvik am Mittwoch auf der IAA Nutzfahrzeugmesse Hannover dafür, dass die Haldex-Aktionäre das Kaufangebot von ZF annehmen. Dabei bietet der Konzern vom Bodensee mit 120 fünf schwedische Kronen weniger als der Münchner Bremsenhersteller. „Knorr ist unser Hauptkonkurrent, und zwar bei allen acht Produktlinien“, betonte Annvik auf der Bühne neben dem vor Freude strahlenden ZF-Chef. Er warnte vor großen kartellrechtlichen Hürden für eine Übernahme durch Knorr-Bremse.

Der Auftritt des Schweden auf dem ZF-Stand, in Sichtweite von Knorr-Bremse, mit derart öffentlicher Parteinahme war ungewöhnlich. Er scheute sich auch nicht, das Knorr-Management zu düpieren. Es habe nur sehr begrenzten Austausch zwischen Haldex und Knorr gegeben. Und wenn Knorr das anders darstelle, „das sagt alles über sie“. Die Schweden hatten einem Insider zufolge vergangene Woche ein Gesprächsangebot von Knorr abgesagt und kurz darauf eine schriftliche Empfehlung für ZF als Käufer ausgesprochen. Knorrs Nutzfahrzeugchef Peter Laier wollte den Auftritt Annviks nicht kommentieren. „Wir sind der festen Überzeugung, der Zusammenschluss der beiden Unternehmen wäre ein Vorteil für alle Beteiligten“, sagte er.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Hintergrund des mit harten Bandagen ausgetragenen Übernahmekampfes ist die Positionierung der Unternehmen als Anbieter für die Technik zum autonomen Fahren. Mit Sensorik, Bremsen und Lenkung aus einer Hand würde ZF als einziger großer Zulieferer das gesamte System anbieten. Der Erzrivale Bosch hatte vor Jahren sein Bremsengeschäft verkauft.

Knorr argumentiert wiederum, durch die Kombination mit Haldex ebenfalls ein vorteilhaftes System anbieten zu können: Da beim autonomen Fahren von Nutzfahrzeugen sowohl die Zugmaschine als auch der Anhänger entsprechend ausgerüstet sein müssten, würde Haldex mit seinem Know-how für Anhänger Knorr gut ergänzen. Für den Münchner Familienkonzern wäre die Übernahme von Haldex ein weiterer Schritt nach vorne bei der Technologie des autonomen Fahrens. „Wir kommen auch mit unserer bestehenden Kompetenz ans Ziel, aber es wäre eine bestechende Möglichkeit, das zu beschleunigen“, sagte Laier.

Wer den Poker gewinnt, entscheiden nun die Haldex-Aktionäre. Aktuell bietet Knorr umgerechnet rund 580 Millionen Euro, ZF etwa 550 Millionen Euro. Das Hauptargument zu Gunsten von ZF ist, dass die Kartellbehörden bereits grünes Licht gegeben haben, weil es keine Überschneidungen mit Haldex gibt, die dem Wettbewerb schaden. Ein Zusammengehen mit Knorr dagegen würde voraussichtlich länger geprüft. Kunden könnten angesichts der längeren Unsicherheit abspringen, warnte Annvik. Nach seiner Einschätzung wird sich deshalb auch ein großer Teil der Aktionäre für die niedrigere, jedoch sicherere Offerte von ZF entscheiden. Eventuell schließt sich die Preisschere auch weiter: „Wir haben nichts dazu gesagt, ob es das letzte Angebot ist. Wir werden alle Handlungsoptionen offen lassen“, sagte Sommer.

  • rtr
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