Zigarettenindustrie
Raucher qualmen weiter – trotz Krise

Beim zweitgrößten deutschen Zigarettenkonzern Reemtsma laufen die Geschäfte trotz Wirtschaftskrise und Rauchverboten offenbar gut.

HB HAMBURG. Das Tochterunternehmen des britischen Konzerns Imperial Tobacco verkaufte im ersten Geschäftshalbjahr (31. März) 11,6 Mrd. Zigaretten, teilte Reemtsma am Dienstag in Hamburg mit. Das sind zwölf Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wobei allerdings erstmals die Marken des übernommenen Unternehmens Altadis (Gauloises, Gitanes) voll einbezogen wurden.

Dadurch stiegen der Halbjahres-Umsatz um 24 Prozent auf 405 Mio. Euro und der operative Gewinn um 31 Prozent auf 197 Mio. Euro. "Wir sind damit sehr zufrieden", sagte Reemtsma-Vorstand Titus Wouda Kuipers.

Allerdings geht der deutsche Zigarettenmarkt im langfristigen Trend jedes Jahr um ein bis zwei Prozent zurück - gegenwärtig sind es wegen der Rauchverbote sogar drei Prozent. Reemtsma habe mit JPS eine Marke, die kontinuierlich wachse und mit einem Marktanteil von 8,4 Prozent mittlerweile die zweite Position auf dem deutschen Markt hinter Marlboro erobert habe. "Damit werden die Absatzrückgänge von Marken wie Peter Stuyvesant, Ernte 23 oder Reval fast ausgeglichen", sagte Kuipers.

Weil die zweite Hauptmarke West in den vergangenen Monaten schwächelte, war der Marktanteil von Reemtsma von 27,5 auf 27,3 Prozent leicht rückläufig. West habe sich aber zuletzt stabilisiert.

Nach wie vor unbefriedigend sei für die Branche der Druck durch illegal eingeführte und gefälschte Zigaretten. Allein die russische Marke Jin Ling, die in Deutschland nicht legal verkauft werden dürfe, erreiche mit 2,2 Mrd. gerauchter Zigaretten in Deutschland Platz acht unter den Zigarettenmarken und liege damit vor HB und Camel. Ungefähr jede fünfte Zigaretten ist nicht in Deutschland versteuert - der Schaden für den Fiskus beträgt rund vier Mrd. Euro.

Polizei und Ordnungsämter müssten energischer gegen die illegalen Vertriebsstrukturen vorgehen, forderte Kuipers. Mit Zigarettenschmuggel werde die organisierte Kriminalität befördert. Rund 76 Prozent des Zigarettenpreises entfallen auf Steuern. Im zweiten Halbjahr 2009 wird eine Normalpackung nicht mehr 17 sondern 19 Zigaretten enthalten.

Das bedeute rechnerisch eine Preissteigerung von rund 50 Cent für das Päckchen, sagte Kuipers. Wie die Preise für die einzelnen Marken genau aussehen werden, sei aber noch nicht festgelegt. Gegenwärtig kostet eine Schachtel Zigaretten mit 17 Stück zwischen 3,60 und 4,20 Euro. Schon im Juni steigt der Preis um 20 Cent je Packung, weil die Branche ihre Preise erhöht.

Der Mutterkonzern Imperial Tobacco Group hat derweil mit seinem Gewinn im ersten Halbjahr die Markterwartungen übertroffen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sei um 14 Prozent auf 71,8 Pence (80,4 Euro-Cent) gestiegen, teilte das Unternehmen am Dienstag in London mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 70,8 Pence je Aktie gerechnet. Der Konzern profitierte vom Kauf der Altadis-Gruppe im Januar 2008 sowie dem schwachen Pfund. Der Nettoumsatz legte im Berichtszeitraum um 54 Prozent auf 12,4 Mrd. Pfund (rund 13,8 Mrd Euro) zu. Imperial kündigte an, eine Zwischendividende von 21 (20,9) Pence je Aktie zahlen zu wollen.

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