0 Bewertungen
21.03.2007 
Übernahmeangebot an Aktionäre

Zockerspiele mit Condomi

von Sönke Iwersen

Neue Wendung im Fall Condomi: Ein Berliner Jungunternehmer will die Aktien des schwer angeschlagenen Unternehmens mit einem Abschlag von 82 Prozent kaufen. Aktionärsschützer sprechen von Bauernfängerei. Andererseits droht den Anteilseignern in der jetzigen Lage ein Totalverlust.

Condome der Condomi AG. Foto: PRLupe

Condome der Condomi AG. Foto: PR

DÜSSELDORF. Die Aktionäre der kurz vor der Pleite stehenden Condomi AG haben in den vergangenen Tagen überraschend Post erhalten. Die Tokugawa AG aus Berlin bietet zehn Cent pro Condomi-Aktie. Das Papier ist derzeit vom Handel ausgesetzt, der letzte Kurs wurde am 20. Februar bei 56 Cent notiert.

Das Auftreten des weitgehend unbekannten Bieters ist die jüngste Wendung in der seltsamen Geschichte der Condomi AG. Das Unternehmen ging 1999 an die Börse und wurde für sein ideenreiches Marketing und die schnelle Expansion gefeiert. 2001 erreichte der Kurs 31,50 Euro. Dann allerdings ging es schnell bergab. 2003 hatte Condomi 37 Millionen Euro Schulden, 2005 übernahm die polnische Tochterfirma Unimil die Regie und sicherte sich die Unternehmenswerte von Condomi.

Seither ist die Condomi AG praktisch eine Geisterfirma. Bilanzen existieren nicht, Hauptversammlungen finden nicht statt, der polnische Vorstand Tadeusz Sobierajski (50) ist verschwunden. Bereits 2005 von der deutschen Börse verhängte Ordnungsgelder werden nicht bezahlt. Das Finanzamt Köln Nord hat als Gläubiger inzwischen einen Insolvenzantrag gestellt. Den Aktionären droht ein Totalverlust.

Vor diesem Hintergrund tritt nun die Tokugawa AG auf. Ihr Vorstand und einziger Mitarbeiter, Philipp Steinhauer (28), will sich zu seinen Plänen bei Condomi nicht äußern. In seinem offiziellen Angebot steht, dass Tokugawa höchstens 500.000 der insgesamt 5,1 Millionen Aktien kaufen will. Das Angebot endet am 30 März.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Rechnung von Tokugawa aussieht.

„Tokugawa spekuliert darauf, dass die Aktie vielleicht bei 20 oder 30 Cent gehandelt wird, falls der Handel wieder aufgenommen wird“, sagt Marcus Sühling von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Dann hätten die schon einen riesen Schnitt gemacht.“ Ein Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz bezeichnete Angebote wie jenes von Tokugawa als Bauernfängerei. Andererseits müssten die Aktionäre damit rechnen, bei der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ganz leer auszugehen. Oliver Gothe, der Gründer des Unternehmens will das Angebot nicht annehmen. Er hält noch immer ein beträchtliches Aktienpaket, obwohl er bereits 2005 nach einem Streit mit der polnischen Unimil aus dem Vorstand ausschied.

Steinhauer sagte gegenüber dem Handelsblatt, der Unternehmenszweck von Tokugawa sei keinesfalls die Übervorteilung von Aktionären. Vielmehr mache er den Anteilseignern angesichts der oft bedrohlichen Lage der betroffenen Unternehmen faire Angebote. Tokugawa biete den Aktionären einen Ausweg und gehe selbst ins Risiko. So habe er bei der Goldzack AG ein Verlustgeschäft gemacht, weil er Aktien kaufte und es anschließend doch nicht zu einer Wiederbelebung der Gesellschaft kam.

Tokugawa hat laut Steinhauer Ende 2005 mit Angeboten für nicht gehandelte Aktien begonnen, aktuell gibt es Offerten für Eurotunnel und die Bezugsrechte der Kampa AG. Den Name Tokugawa habe er gewählt, weil er eine Vorliebe für japanische Geschichte und Kultur hat. Die Tokugawa waren eine Shogun-Dynastie, die Japan mehr als 200 Jahre lang beherrschte und das Land nach Meinung Steinhauers zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte führte. Ähnliches wünsche Steinhauer auch für seine Firma.

Für Tokugawa ist das Condomi-Angebot auch deshalb reizvoll, weil es vorab kaum Kosten verursacht. Eine Anzeige im Bundesanzeiger für 50 bis 200 Euro reicht aus, um die Banken der betroffenen Aktionäre in Gang zu setzen. „Wir sind nach unseren Geschäftsbedingungen dazu verpflichtet, wichtige Informationen, die das Wertpapier unserer Kunden betreffen, in deren Interesse an diese weiterzuleiten“, sagt Georg Baur, ein Rechtsexperte des Deutschen Bankenverbandes. „Nicht alle Angebote sind aber im Kundeninteresse.“ Die Kosten für Druck, Abwicklung und Porto würden nur dann die Banken tragen – bzw. in der Folge die Kunden selbst.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige
Anzeige

weiterKöpfe

Mr. Apple bittet wieder zur Audienz  Artikel in Merkliste

Der Apple-Gründer Steve Jobs stellt am Dienstag in San Francisco neue Produkte vor – und seine Fitness unter Beweis Artikel


Anzeige