Zoff bei Volkswagen
Per Rundbrief ins PR-Desaster

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„Langfristig verlieren beide Seiten“

Auch Thomas Koch, Professor für Unternehmenskommunikation an der Universität Mainz, beobachtet das Wolfsburger Kommunikationschaos genau. Den generellen Konflikt zwischen Betriebsrat und Management hält er für normal, gewissermaßen sogar gewollt und im System angelegt. „Intern kann es ruhig mal zur Sache gehen bei solchen Verhandlungen“, sagt er. „Wenn interne Konflikte aber öffentlich ausgetragen werden, schadet das immer der Marke und dem Konzern.“

Koch hat beobachtet, dass die Konfliktparteien in Streitsituationen wie jetzt bei VW immer öfter versuchen, die Medien für ihre Interessen zu nutzen. „Sie wollen ihre Verhandlungsposition stärken, Druck aufbauen“, erklärt Koch. Kurzfristig funktioniere das oft sogar. Druck erhöhe die Geschwindigkeit der Diskussion, zwinge den Gegner zur Reaktion. Bei VW habe man das gerade wieder gesehen – da musste Konzernchef Müller sich plötzlich äußern. Das Problem sei jedoch: „Langfristig verlieren beide Seiten auf jeden Fall.“

An Kochs Lehrstuhl gibt es zu diesem Thema eine aktuelle Doktorarbeit. Sie untersucht, ob sich negative Berichterstattung wie aktuell bei VW auf die Stimmung im Konzern auswirkt. Das Ergebnis: Bei miesen Schlagzeilen nehmen die Mitarbeiter plötzlich Stress stärker wahr, ihr Vertrauen ins Management sinkt, das Betriebsklima fühlt sich schlechter an. „Dadurch kann auch die Arbeitsleistung abnehmen“, sagt Koch. „Im schlimmsten Fall setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang.“

Um solche Prozesse zu verhindern, müsse die Kommunikationsabteilung des Konzerns allen Beteiligten schon im Vorfeld möglicher Konflikte klarmachen, dass sie durch die Eskalation nur verlieren können. Wenn der Schaden einmal da sei, könne man ihn im Nachhinein nur noch schlecht korrigieren, sagt Koch. Schließlich glaube dem Konzern keiner mehr, dass alles rosig sei, wenn eine Woche lang öffentlich mit Schmutz geworfen wurde.

Für VW sieht Koch in der derzeitigen Lage nur noch einen Ausweg. Erstens: Den Konflikt rausholen aus der Öffentlichkeit. Zweitens: Intern eine Lösung für den Streit finden. Drittens: Die Lösung als gemeinschaftlichen Kompromiss nach innen und außen kommunizieren. Kochs Kollege Thorsten Hofmann hat indes noch einen vierten Ratschlag: Während der internen Verhandlungen sollte man vielleicht eine Art Waffenstillstand vereinbaren, sagt er. Und vor allem auf Rundbriefe bis auf weiteres verzichten.

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  • Wer genau verfolgt was da los ist merkt das Osterloh einer der normal denkenden Menschen ist.
    Er versucht alle noch auf der kippe stehenden Mitabeiter ins Boot zu holen.
    Weil der Stellenabbau genau dividiert wurde. Es ist noch nicht klar was in 10 Jahren ist aber dem Diess ist klar es müssen alle kleinen Arbeiter raus. Zahlen Daten Fakten!!!!!
    "Das Band läuft auch ohne Mitarbeiter"
    Viele Leiarbeiter haben ihre festen Jobs aufgegeben um bei VW über Leiarbeitsfirmen
    Fuß zu fassen. Es muss bei VW was passieren!!!! Keine Frage aber erst ganz OBEN
    nicht UNTEN.

  • @ Lopez
    Bei VW ist Elektriker OSTERLOH der Konzernchef.
    Bei PORSCHE ist der Lackierer HUECK der Konzernchef.
    Sie kommen beide aus kleinsten Verhältnissen u. drehen dann irgendwann durch.

  • Ich stelle immer wieder erstaunt fest, welchen Einfluße der Betriebsrat und sein Vorsitzender im VW-Konzert hat. Grundsätzlich bin ich für einen Betriebsrat in Unternehmen ab einer bestimmten Betriebsgröße. Ich kenne es aus eigener Anschauung in einem ehemaligen Montanbetrieb. Bei VW habe ich allerdings den Eindruck, dass Osterloh glaubt, er sei der Konzernchef. Es ist an der Zeit, dem Betriebsratschef mit seinen Betriebsratskollegen ein wenig die Flügel zu stutzen.

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