Industrie

Schadet dieser Mann Europa?

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Solarenergie könnte wieder teurer werden

Solarmodulhersteller Die Dominanz der Chinesen lässt nach

Platz 9: Hanwha Solar One und REC

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Bild: dpa

Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht sogar eine Gefahr für die Energiewende, wenn die Strafzölle umgesetzt werden. „Die Solarenergie ist durch den extremen Preisverfall bei Photovoltaik-Modulen viel billiger geworden – auch dank der chinesischen Unternehmen“, sagte sie im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wenn die Anti-Dumping-Zölle umgesetzt werden, wird die Solarenergie wieder teurer.“

Es scheint, als seien die im Verband EU Pro-Sun zusammengeschlossenen Solarunternehmen um Solarworld die einzigen, die den Zoll noch wollen. Selbst andere europäische Wettbewerber setzen sich gegen die Handelsschranken ein. Als die Entscheidung verhängt wurde, hatten mehrere europäische Solarverbände an die EU-Kommission in einem offenen Brief appelliert, die Zölle nicht umzusetzen. Unter den Unterzeichnern sind unter anderem Zusammenschlüsse von Solarunternehmen aus dem Vereinigten Königreich, Polen, Schweden und Italien.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

  • 13. Dezember 2011

    Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

  • 21. Dezember 2011

    Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

  • 3. April 2012

    Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

  • 17. April 2012

    Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

  • 25. Juni 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 10. Juli 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 21. August 2012

    Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

  • 6. September 2012

    Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

  • 18. Oktober 2012

    Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

  • 23. Januar 2013

    Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

  • 24. Januar 2013

    Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

Auch Zulieferer haben Angst, dass ihre Umsätze einbrechen. So warnte etwa das Unternehmen Wacker Chemie, das zu den größten Exporteuren von Polysilizium nach China gehört, mehrfach vor den Folgen chinesischer Vergeltungsaktionen. Wacker habe mehr als zwei Milliarden Euro in die Polysilizium-Produktion in Deutschland investiert und 1500 Arbeitsplätze geschaffen. Diese würden „bei einer Eskalation des Handelskonflikts auf dem Spiel stehen“.

Die Zölle sollen zunächst sechs Monate gelten und bei durchschnittlich 47 Prozent liegen. Um danach dauerhafte Anti-Dumping-Zölle für einen Zeitraum von dann fünf Jahren festlegen zu können, benötigt die Kommission die Zustimmung der Mitgliedsstaaten. In den USA gibt es bereits seit rund einem Jahr Strafzölle auf chinesische Solarprodukte. Dabei hat die weltweite Solarkrise längst auch die chinesischen Hersteller erfasst. Bereits im März musste die chinesische Suntech Power Insolvenz anmelden. Auch der chinesische Anbieter LDK Solar steht auf der Kippe.

Grund für die Krise in der Solarbranche sind die hohen Preisverfälle in der Branche und aufgestaute Überkapazitäten. Zeitweise purzelten die Preise um bis zu 50 Prozent im Jahr.

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  • 28.05.2013, 08:06 UhrHofmannM

    Solarworld ist seit Monaten Insolvent! Die haben bereits ihr Eigenkapital aufgebraucht und Schieben einen 500 Mio. EURO Schuldenberg vor sich her. Dieser wird IMMER Größer!
    Die 600 Mio. EURO Umsatz sind ein Witz, weil Umsatz nicht gleich Gewinn bzw. Cashflow (Barbestand) bedeutet. So zu sagen macht Solarworld seinen Umsatz mit Verlust und somit zieht dies immer mehr Schulden nach sich!
    Und diese Pleitefirma und auf EEG-Zwangssubventionsabgeben angewiesene Abzockerfirma will China Strafzölle auf Kosten der restlichen Industriebranchen Europas/Deutschland verhängen lassen!? Das ist ein Witz und diese Solarfirmen ala Solarworld gehören endlich in das Insolvenzverfahren. Diese Firmen betreiben seit Monaten Insolvenzverschleppung!

  • 27.05.2013, 21:44 UhrNamir_Ljuhic

    Sehr geehrte Handelsblatt-Redaktion,
    in der Berichterstattung zu möglichen Strafzöllen auf chinesische Solarmodule durch die EU fehlt mir - und dies zum wiederholten Male - eine angemessene Betrachtung der Hintergründe und des Rahmens, in dem sich dieser Konflikt abspielt. Strafzölle sind üblicherweise eine Reaktion auf das Nichteinhalten von Handelsregeln, deren Einhaltung jedoch eine Grundvoraussetzung für einen (zukünfig hoffentlich) fairen globalisierten Wettbewerb ist. Leider erfährt der Leser wieder zu wenig über die Details der Handelsregeln, deren Einhaltung im konkreten Fall strittig ist, über die Strittigkeit bzw. einen Konsens zu den Regelungen selbst und warum dieser Streit sich gerade in der Solarbranche mit solcher Heftigkeit entlädt. Es geht bei diesem Thema doch nur in zweiter Ordnung um die Entwicklung in einer konkreten Branche (hier Solar), sondern vor allem um die zukünftige Entwicklung von Handelsregelungen in einer vollständig globalisierten Welt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Namir Ljuhic.

  • 27.05.2013, 21:42 UhrSteinmeier

    Lieber Herr Wolf! EU-Recht? Auch dieses muss sich den WTO-Abkommen unterordnen. Die Welt ist eben größer als man annimmt und endet nicht in Brüssel.

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