Zu breite Produktpalette?
Merck wagt das Abenteuer Schering

Mit einem solchen Manöver hat in der deutschen Pharmaindustrie wohl kaum jemand gerechnet. Die von der Darmstädter Merck KGaA gemachte Übernahme-Offerte für den Berliner Schering-Konzern ist der bislang aggressivste Versuch, einen großen Pharmakonzern auf nationaler Ebene zu schmieden. Branchenkenner sehen das Unterfangen mit Sorge.

HB FRANKFURT. Das Management der Merck KGaA hatte zwar in den vergangenen Jahren immer wieder Interesse an Zukäufen signalisiert. Doch galt es stets als ausgemacht, dass man dabei vor allem auf kleinere Zukäufe von Firmen oder Produktlizenzen zielte. Mit dem am Montagmorgen vorgelegten Angebot für Schering in Höhe von 77 Euro je Aktie oder 14,9 Mrd. Euro für das gesamte Unternehmen greift Merck voll in das Konsolidierungsgeschehen auf dem Pharmamarkt ein.

Setzt sich Merck bei Schering durch, könnte der Konzern mit künftig gut elf Mrd. Euro Gesamtumsatz und etwa 9,2 Mrd. Euro Pharmaumsatz das Familienunternehmen Boehringer Ingelheim als größten deutschen Arzneimittelhersteller überrunden und international auf Rang 14 vorrücken.

Kenner des Darmstädter Unternehmens beurteilen den Vorstoß dennoch mit Skepsis. Denn der neu formierte Konzern würde über eine ausgesprochen breite Produktpalette verfügen, die von Kontrastmitteln für Röntgenuntersuchungen bis hin zu Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Gesundheitsprodukten reicht. Schering hatte sich in den letzten Jahren als Nischenspezialist für Verhütungsmittel, Hormonprodukte und Medikamente gegen Nervenerkrankungen positioniert. Merck gehört zu den führenden Generikaanbietern und ist bei Originalmedikamenten unter anderem im Bereich Herzkreislauf und Diabetes aktiv. Ergänzen würden sich beide Unternehmen vor allem in der Entwicklung von Krebsmedikamenten, wo Merck derzeit mit dem neuartigen Mittel Erbitux erfolgreich ist.

Merck erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,9 Mrd. Euro, davon 3,9 Mrd. Euro im Pharmageschäft. Der Rest entfällt auf Chemikalien, darunter das hochprofitable und stark wachsende Geschäft mit Flüssigkristallen für Flachbildschirme. Der Konzern hat sich in den letzten Jahren von diversen Randaktivitäten getrennt und in diesem Zuge eine positive Cash-Position aufgebaut. Für eine Scheringübernahme müssten dennoch vermutlich mehr als 10 Mrd. Euro Schulden aufgenommen werden.

Im Pharmabereich erzielt Merck nur knapp die Hälfte der Erlöse im so genannten ethischen Geschäft mit Originalmedikamenten. Eine fast ebenso starke Rolle spielen patentfreie Nachahmermedikamente (Generika) mit rund 1,7 Mrd. Euro Umsatz.

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