Zu gute Geschäfte
Henkel befürchtet Lieferengpässe bei Rohstoffen

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat bei Umsatz und Gewinn im dritten Quartal deutlich zugelegt. Vor allem das Klebstoffgeschäft läuft gut. Jetzt haben die Düsseldorfer ihre Prognose fürs laufende Jahr angehoben.
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DÜSSELDORF: Für Henkel läuft es glänzend. In der Krise wurde der Düsseldorfer Konsumgüterriese umgemodelt und auf Kostendiät gesetzt. Nun brummt die Konjunktur wieder und das Geschäft von Henkel auch.

Nicht nur mit seiner Klebstoff-Sparte ist der Konzern derzeit auf Rekordkurs. Auch im Kosmetik- und Waschmittelgeschäft jagt Henkel Wettbewerbern einen Marktanteil nach dem anderen ab. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten dieses Jahres um elf Prozent auf 11,4 Mrd. Euro. „2010 dürften wir als das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr unserer Unternehmensgeschichte abschließen“, jubelte Vorstandschef Kasper Rorsted am Mittwoch in Düsseldorf – und hob erneut seine Jahresziele an. Henkel will das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) 2010 nun um „mehr als 45 Prozent“ steigern. Bislang war ein Plus von „mehr als 25 Prozent“ angekündigt worden. Die bereinigte Ebit-Marge soll auf über zwölf Prozent klettern.

Doch weil die Geschäfte so gut laufen, drohen dem Unternehmen nun „Lieferengpässe bei bestimmten Rohstoffen“, wie Rorsted gestern mitteilte. Betroffen sei vor allem das Verpackungsklebstoffgeschäft. „Die Zulieferer haben ihre Kapazitäten in der Krise nach unten angepasst“, begründete Henkel-Finanzchef Lothar Steinebach. Er rechne „mit ernsthaften Problemen“. Um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, kündigte Henkel deshalb Preissteigerungen an. „Die Abgabepreise müssen erhöht werden, um die steigenden Preise aufzufangen“, sagte Steinebach.

Experten rechnen damit, dass das ein genereller Branchentrend ist. „Ich erwarte, dass die Konsumgüterbranche im Laufe des nächsten Jahres versuchen wird, die gestiegenen Rohstoffpreise weiterzugeben“, sagt etwa Berater Patrick Mannsperger von Roland Berger. Denn auch anderen Konsumgüterkonzernen bereitet die Rohstoffsituation Kopfzerbrechen. Die ganze Branche ist relativ schlecht vorbereitet auf das Anziehen der Märkte“, resümierte Sebastian Frericks, Analyst beim Bankhaus Metzler.

Ein Sprecher von Henkel-Konkurrent Beiersdorf etwa sagte: „Rohstoffknappheit ist ein Thema, das uns derzeit bei Tesa stark beschäftigt.“ Auch der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever, Hersteller von Dove-Duschgels und Knorr-Tütensuppen, gab letzte Woche bei Vorlage seiner Quartalszahlen an, dass er durch höhere Rohstoffkosten Gegenwind spüre, die die Gewinnmargen unter Druck setzten. „Die Preise werden bis Jahresende und auch im nächsten Jahr hochgehen, um den Kostensteigerungen entgegenzuwirken“, sagte Unilever-Finanzchef Jean-Marc Huët. Noch leidet Henkel allerdings nicht unter den widrigen Marktbedingungen.

An der Börse löste der Hersteller von Pritt und Persil ein Kursfeuerwerk aus: Henkel-Vorzugsaktien kletterten in einem schwachen Gesamtmarkt um über neun Prozent auf ein neues Jahreshoch.

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