Zu hohe Preise
Wasserversorger Enwag am Pranger

Auf den regionalen Wasserversorger Enwag könnten Kosten in Millionenhöhe zukommen. Die Kartellbehörde Hessen kritisierte zu hohe Preise und mangelnde Transparenz des Unternehmens aus Wetzlar. Dabei haben die Wettbewerbshüter auch die Richter des Bundesgerichtshofs auf ihrer Seite.
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WIESBADEN. Der Chef des Regionalversorgers Enwag, Wolfgang Schuch, steckt in einer verzweifelten Lage. Erneut steht das Unternehmen aus Wetzlar wegen seiner Wasserpreise in der Kritik. Die Landeskartellbehörde Hessen verlangt eine Preiskürzung von bis zu 54 Prozent, das entscheidende Schreiben könnte noch in diesem Jahr bei der Enwag eingehen. Ein Verlust in Millionenhöhe drohe dem Unternehmen aus der Verfügung, klagt Schuch. Dabei setzt das kleine Unternehmen aus der Stadt mit 51 000 Einwohnern gerade einmal 5,9 Millionen Euro mit Wasser um.

Um sich dagegen zu wehren, hat Enwag auf eine öffentliche Anhörung gedrängt. Diese fand am vergangenen Freitag statt und sollte zur Abrechnung mit der Landeskartellbehörde werden. Denn die Kartellwächter ziehen aus Sicht von Schuch für den Vergleich der Kosten irreführende Zahlen heran.

So würden die Aufwendungen für den Betrieb des Wassernetzes etwa mit denen von Kleve und Nordhorn verglichen. Aber allein schon vom Höhenunterschied könnten diese nicht herangezogen werden, sagte Schuch. Während die Differenz in Wetzlar bei 200 Metern liegt, sind es im niederrheinischen Kleve 96 Meter und in Nordhorn null Meter.

Die Kartellbehörde teilte diese Sicht nicht, aus der Topografie ergeben sich nicht zwangsläufig höhere Kosten. Auch soll Enwag seine Ausgaben nicht transparent genug aufgeschlüsselt haben. Dieser Sicht folgte im Frühjahr der Bundesgerichtshof, der eine erste Kartellverfügung gegen Enwag bestätigt hatte.

Die Richter legitimierten damit das Vorgehen der Landeskartellwächter, die bundesweit als Vorkämpfer für eine schärfere Wasseraufsicht gelten. Dieser Ruf steht aber auf dem Spiel, denn nach der Enwag soll es bis zum Herbst kommenden Jahres keine neuen Kartellverfügungen geben. Dass sein Unternehmen von der Regulierungspause nicht profitiert, dürfte Schuch zusätzlich verzweifeln lassen. mur

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