Zugehen auf Wolfsburger Konzern
Porsche plant neues Führungsmodell mit VW

VW-Großaktionär Porsche plant nach der Übernahme des Wolfsburger Autobauers rasch ein neues Führungsmodell für den Gesamtkonzern.

PARIS. "Ich arbeite derzeit mit meinem Finanzkollegen bei VW an einem gemeinsamen Papier zum künftigen Führungsmodell, das wir mit den Vorständen von VW und Porsche diskutieren werden", sagte Porsche-Finanzchef Holger Härter dem Handelsblatt. "Ich bin davon überzeugt, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden werden, wie wir die beiden Unternehmen künftig führen werden. Dieses Modell werden wir voraussichtlich noch dieses Jahr verabschieden."

Erstmals signalisierte der Stuttgarter Sportwagenhersteller in diesem Zusammenhang auch seine Bereitschaft, das VW-Management in den Vorstand der Porsche SE mit einzubeziehen. "Ich gehe davon aus, dass langfristig auch Vertreter von Volkswagen in den Vorstand der Porsche SE einrücken werden", sagte der Porsche-Finanzchef. Bislang sind nur Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sowie Härter selbst im Vorstand der Porsche SE, unter deren Dach die Beteiligung an VW sowie die Porsche AG firmieren. Mit dem neuen Führungsmodell kommen die Stuttgarter auch einer Forderung von VW-Boss Martin Winterkorn nach, der zuletzt Klarheit in dieser Frage angemahnt hatte.

Der Sportwagenbauer hatte jüngst bereits seine VW-Beteilung auf gut 35 Prozent erhöht und brachte den Wolfsburger Konzern damit faktisch unter seine Kontrolle. Seither ist VW eine Tochterfirma der Porsche-Holding, unter deren Dach das Fahrzeuggeschäft von Porsche wie auch die Beteiligung an VW geführt werden. Die Stuttgarter haben bereits ein großes Wirtschaftsprüferteam nach Wolfsburg entsandt, um eine Übernahmebilanz zu erstellen. Porsche will seinen VW-Anteil im November auf über 50 Prozent erhöhen. Die Übernahme durch Porsche wird in Wolfsburg indes misstrauisch beäugt. Zudem liegen Management und Betriebsrat von Porsche seit Monaten mit dem VW-Betriebsrat im Streit um die Machtverteilung in der Porsche-Holding. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangt mehr Einfluss für die rund 30-mal größere Belegschaft des Wolfsburger Konzerns.

Härter verknüpfte angesichts der jüngsten Attacken auf Wiedeking sein Schicksal demonstrativ mit dem des Porsche-Vorstandschefs. "Uns gibt es nur im Doppelpack", sagte Härter. Der Finanzchef trat damit ausdrücklich Gerüchten entgegen, Wiedeking könnte entmachtet und der neue Konzern von einer neuen Doppelspitze aus Härter und VW-Boss Winterkorn geführt werden. Zum offenen Konflikt zwischen VW-Aufsichtsrat und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch sowie der Porsche-Familie wollte sich Härter nicht näher äußern. Porsche wisse, dass es als künftiger Mehrheitsaktionär im VW-Aufsichtsrat einen Konsens der Kapitalseite herstellen müsse, damit es künftig einheitliche Abstimmungsergebnisse gebe, sagte Härter lediglich. Piech hatte jüngst die Porsche-Familie erzürnt, als er im Kontrollgremium gegen die Stimmen der Stuttgarter einen Antrag der Arbeitnehmerseite passieren ließ.

Seite 1:

Porsche plant neues Führungsmodell mit VW

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%