Zukäufe bei Medizintechnik
Philips setzt auf Gesundheit

Falls Gerard Kleisterlee noch eine Bestätigung dafür gebraucht hat, warum er aus dem aus dem zyklischen Halbleitergeschäft aussteigen will, dann hat der Philips-Chef sie jetzt bekommen.

DÜSSELDORF. Die Finanzbeteiligung Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) wird an die Royal Philips Electronics deutlich weniger Gewinn überweisen, als noch vor sechs Wochen in Aussicht gestellt. Das erklärte Philips-Finanzvorstand Pierre-Jean Sivignon auf einer Analystentagung der Investmentbank Credit Suisse. Er bekräftigte aber, dass der Konzern im Bereich Gesundheitswesen und Medizin massiv investieren will.

Laut Sivignon wird TSMC – verteilt auf das zweite und dritte Quartal – insgesamt 335 Mill. Euro Dividende an den niederländischen Elektronikkonzern überweisen. Bei Bekanntgabe der Erstquartalszahlen am 18. April hatte Philips noch eine Dividenzahlung von 430 Mill. Euro angekündigt – und alles im zweiten Quartal. Schuld an dem Rückgang sind auch Wechsel- und Aktienkursverluste: Ein Teil der Dividende wird in bar, der Rest als dreiprozentige Dividende in Aktien (30 Aktien für je 1 000) gezahlt werden. Philips hält noch rund 16 Prozent an TSMC. Von den 335 Mill. Euro sollen 223 Mill. Euro im zweiten und 112 Mill. Euro im dritten Quartal verbucht werden.

An der Prognose für das Philips-Jahresergebnis ändert sich nach Sivignons Aussage aber nichts. Er erwartet ein Umsatzplus im laufenden Jahr von fünf bis sechs Prozent auf rund 31,5 Mrd. Euro und einen Anstieg des Gewinns vor Steuern und Zinsen von sieben bis zehn Prozent.

Dabei spielen die Lichttechnik und ganz besonders Medizintechnik und Gesundheitspflege die tragene Rolle. Während die Pläne für die komplette Abspaltung der noch verbleibenen Halbleiteraktivitäten bereits in den Schubladen liegen, hat Philips bei der Gesundheitspflege gerade erst die vorerst letzte in einer Reihe von Akquisitionen verkündet: Für rund 675 Mill. Euro kauft der Konzern die britische Avent, ein Spezialunternehmen für die Mutter-Kind-Pflege mit rund 113 Mill. Pfund Umsatz. Der Kauf soll im dritten Quartal 2006 abgeschlossen sein. Der rund sieben Mrd, Dollar große Weltmarkt von Babyflaschen bis zur Hautcreme wird in den Industrieländern um jährlich fünf und in Entwicklungsländern und zehn Prozent wachsen, erwartet Philips. Avent hat dabei Asien und speziell China im Blick.

Der Chef der Gesundheitssparte, Andrea Ragnetti, will durch Wachstum und weitere Akquisitionen den Umsatz im Gesundheitsgeschäft auf bis zu eine Mrd. Dollar steigern und ihn damit zur tragenden Säule in der bisherigen Haushaltsgerätesparte machen.

Das zusätzliche Wachstum aus dem Geschäft mit Privatkunden könnte Philips-Chef Kleisterlee gut gebrauchen. Denn in der hart umkämpften Medizintechnik im klinischen Bereich – hier muss sich Philips mit den Marktriesen Siemens und General Electric messen – läuft nicht alles so, wie erhofft. Die Ebit-Marge (vor Zinsen und Steuern) lag bei einem Umsatz von rund 1,46 Mrd. Euro im ersten Quartal mit 6,7 Prozent unter der von 7,8 Prozent ein Jahr zuvor. Analysten zeigten sich enttäuscht. Ein verbesserter Produktmix, so Kleisterlee Ende Mai, soll schon im zweiten Halbjahr zu höheren Margen verhelfen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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