Zukaufpläne
Fresenius im Visier des Kartellamts

Das Bundeskartellamt nimmt den Medizinkonzern Fresenius unter die Lupe. Im Fokus stehen die Übernahmen zahlreicher Krankenhäuser des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum. Bis Ende Februar sollen die Prüfungen dauern.
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Düsseldorf/ FrankfurtDas Bundeskartellamt prüft nun die Pläne des Gesundheitskonzerns Fresenius zur Übernahme der Mehrzahl der Krankenhäuser von Rhön-Klinikum. Die Behörde teilte am Mittwoch mit, ein Hauptprüfverfahren eingeleitet zu haben. „Das Vorhaben stellt das bislang größte Zusammenschlussprojekt im Krankenhausbereich in Deutschland dar“, begründete Kartellamtspräsident Andreas Mundt den Schritt. Die Behörde habe nun bis Ende Februar Zeit, die Pläne zu durchleuchten. Ungeachtet dessen sehen der fränkische Klinikbetreiber und Fresenius ihre Zeitpläne für die Transaktion nicht gefährdet.

Fresenius will für gut drei Milliarden Euro Rhön einen Großteil der Krankenhäuser abkaufen und im Verbund mit seiner eigenen Klinik-Tochter Helios einen Krankenhaus-Giganten in Deutschland schaffen. 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren sollen den Besitzer wechseln. Dadurch schrumpft Rhön gemessen am Umsatz um rund zwei Drittel. Das Unternehmen will sich künftig vor allem auf Kliniken konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung betrieben wird. Die „neue Rhön“ soll dann nur noch aus zehn Kliniken an fünf Standorten mit einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro bestehen.


Die geplante Übernahme wird vom Bundeskartellamt sehr sorgfältig untersucht“, erklärte Behörden-Chef Mundt. Bei ihrer Prüfung wollen die Kartellwächter vor allem ein Auge auf regionale Überschneidungen bei der stationären Krankenhausversorgung werfen und die Nachfrage gegenüber den Krankenkassen untersuchen. Mundt will sich auch den Medizinprodukte-Markt anschauen, denn Fresenius ist ein großer Anbieter von Infusionslösungen und Dialyseprodukten für Kliniken. Insbesondere soll geprüft werden, wie sich der Zusammenschluss eines Herstellers mit einem großen Abnehmer der Produkte auf den Markt auswirkt.

Rhön und Fresenius bleiben dennoch zuversichtlich. Rhön rechnet weiter mit grünem Licht durch das Amt noch in diesem Jahr. „Wir sehen nach wie vor keine inhaltlichen Hürden für eine zügige Prüfung und Freigabe. Wir gehen von einer Freigabe durch das Kartellamt bis zum Ende des Jahres aus“, sagte ein Sprecher. Auch Fresenius bleibt bei seinem Zeitplan für die Übernahme. „Wir bestätigen unseren bisherigen Ausblick“, sagte ein Sprecher. Fresenius geht davon aus, dass der „überwiegende Teil der Transaktion“ bis Jahresende über die Bühne gebracht wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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