Zukunft der Autoindustrie
Vom Spritfresser zum iCar

Die deutschen Hersteller Audi, BMW und Daimler feiern Rekorde mit großen Autos. Aber die Zukunft verlangt nicht nur andere Fahrzeuge, sondern auch ganz neue Geschäftsmodelle. Der Autokäufer wird zum vernetzten Mobilitätskunden.
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Die deutsche Autoindustrie kann ihr Glück gar nicht fassen. Nur ein Jahr nach der Krise überschlagen sich vor allem die Premiumanbieter Daimler, BMW und Audi mit Erfolgsmeldungen. Dreimal korrigierte Daimler seine Ergebnisprognose in diesem Jahr nach oben. Zwischen Juli und September hat BMW das höchste Quartalsergebnis der Firmengeschichte eingefahren. Und Audi hat bereits jetzt mehr Autos verkauft als in seinem bislang besten Jahr 2008. In Ingolstadt, München und Stuttgart wird über Weihnachten durchgearbeitet, jede freie Minute zur Produktion genutzt.

"In diesem Jahr ist es mit der Krise wie mit Lena Meyer-Landrut. Man fragt sich, wo ist sie denn plötzlich hin", witzelt Daimler-Chef Dieter Zetsche. "Die beste Zeit des Autos kommt noch", freut er sich. "Man sollte sich über schöne Quartale freuen, aber wir können nicht davon ausgehen, dass das in den nächsten zehn Jahren so bleibt", sagt hingegen BMW-Chef Reithofer. Tatsächlich steht die Branche vor riesigen Herausforderungen. Woher die kommen könnten, zeigt unter anderem der gestrige Kurseinbruch der BMW-Aktie, nachdem Befürchtungen laut wurden, China könne den Kauf großer Autos einschränken.

Die "Downsizing-These", wonach die Autos schrumpfen werden und die Gewinne gleich mit, geht aber nicht so schnell in Erfüllung wie vor einem Jahr befürchtet. Aktuell gibt es ein Comeback der spritfressenden Dinosaurier, zeigen die Spitzenmodelle BMW 7er, Mercedes S-Klasse und Audi A8 die größten Zuwächse. Vor allem die enormen Absätze in China treiben derzeit die Profite, denn mit diesen Autos wird das meiste Geld verdient. BMW erwartet, dass der Absatz von Acht- und Zwölfzylindermotoren bis 2015 noch einmal ansteigt. In den USA und Europa wollen neun von zehn befragten BMW-Kunden eine gleiche oder höhere Motorleistung beim nächsten Autokauf, in China sechs von zehn.

Kommt keine neue Finanzkrise, dürften die Gewinne in Stuttgart, München und Ingolstadt erst einmal weiter sprudeln. Die Dickschiffe der Modellpalette werden deutlich effizienter produziert als vor der Krise. BMW und Daimler haben jeweils 10 000 Stellen gestrichen, bauen aber genauso viele Autos wie vor drei Jahren. Nie konnte so gut Geld verdient werden. Zwar braucht in Schanghai oder Mumbai niemand ein Auto, das bei Tempo 200 bretthart durch die Kurve zieht. Gekauft wird es trotzdem. Global gilt nach dem Ende der Krise: Der Premiummarkt wächst schneller als das automobile Massengeschäft. Audi geht davon aus, dass dieses Marktsegment von heute vier auf sieben Millionen Autos im Jahr 2015 wachsen wird.

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