Zukunft der Industrie
Die guten Ideen für die Zeit danach

Ist Deutschland überindustrialisiert? Deutschlands Unternehmen setzen sich gegen die Kritik zur Wehr. Gerade in der Krise hätten die Unternehmen eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt und mit guten Ideen für die Zeit nach der Krise gepunktet. Eine Reise zu beispielhaften Unternehmen des Landes.
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DÜSSELDORF. "Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal", hat Roman Herzog gesagt in seiner Ruckrede am 26. April 1997. Damals hat er die Nation aufgerufen, Fesseln abzustreifen, den Aufbruch zu wagen. Seither hat es ziemlich viele Ruckreden gegeben, noch mehr Zeit ist vergangen. Es waren sehr gute Jahre dabei.

Sicher, so manche Idee ist auch verschwendet worden, dennoch ist aus Deutschland, das Herzog seinerzeit als Land der Mutlosigkeit und der Krisenszenarien beschrieb, ein anderes Land geworden: das "Land der Ideen", das mehr oder weniger erfolgreich versucht, die Krise unter Kontrolle zu halten. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel heute in diesem Zusammenhang davon spricht, dass wir "stolz sein können auf die Ideen und das Engagement unserer Bürger", dann ist das nicht nur Wahlkampfgerede. Es ist auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, für das zweifellos und insbesondere die Leistung der deutschen Industrie steht.

In einer Sommer-Serie begibt sich das Handelsblatt daher auf eine Reise zu Unternehmen der deutschen Industrie, die beispielhaft die Chancen aufzeigen, die gute Ideen für die Zeit nach der Krise haben. Wir wollen vor allem in die Gegenden der Unternehmenslandschaft reisen, die traditionell für die Stärken der deutschen Industrie stehen. Dabei lassen wir uns von einem Motto leiten: Fortschritt aus Tradition. Hier gibt es erstaunlich viel zu entdecken.

Jahrelang haben kluge Köpfe im In- und Ausland in der industriellen Stärke eine Schwäche des Landes sehen wollen. Doch während sich die Apologeten der angelsächsisch geprägten Dienstleistungsökonomie über verschwendete Zukunftschancen ereiferten und sich in die erste große Blase des neuen Jahrtausends hineinprophezeiten, erfanden sich viele deutsche Industrieunternehmen neu, gerade mit und nach dem Platzen der Internetblase. Nun, mitten in der nächsten großen Krise, wollte man uns wieder weis machen, dass das deutsche, industriebasierte und exportgestützte Modell erschüttert sei.

Tatsächlich aber hat die Industrie in Deutschland auch und gerade in der Krise eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit an den Tag gelegt. Sie beruht nicht nur auf einer international beispiellos leistungsfähigen Arbeitsteilung von mittelständischen und großindustriellen Betrieben. Sie hat auch damit zu tun, dass die Umsetzungsgeschwindigkeit von Innovationen in Produkte in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen ist. So ist es im neuen Jahrtausend zu einem Aufschwung gekommen, wie ihn Roman Herzog vor zwölfeinhalb Jahren nur erträumte. Es war wie ein zweites Wirtschaftswunder. Und daran können viele Industriebetriebe jetzt anknüpfen, gerade das kann uns hoffnungsvoll stimmen.

Landauf, landab haben sich Wissenschaftler, Politik, Unternehmensführer und Berater auf eine Wachstumsoffensive durch Innovation verständigt. Während die meisten der Industrieunternehmen ihre Forschungsbudgets mit Zähnen und Klauen verteidigen, sind, trotz aller Kritik, auch die Bundesmittel für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Und sie werden im Zuge der Konjunkturprogramme nochmals deutlich auf rund zwölf Milliarden Euro steigen.

Auch in den Unternehmen erreichen die Investitionen in Neuerungen Rekordwerte: Sie stiegen im Jahr 2008 um 6,3 Prozent auf 45,7 Milliarden Euro.

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