Zukunft eines Kupferproduzenten
Affinerie stürzt sich selbst ins Chaos

Nach dem erzwungenen Rücktritt von Werner Marnett, seit 13 Jahren Vorstandschef des Hamburger Kupferproduzenten Norddeutsche Affinierie (NA) bleiben viele Fragen offen. Zwar gibt es zum Abschied fast nur Lob für den 58-jährigen, doch sein Nachfolger steht vor schwierigen Aufgaben – die Suche nach einem neuen Firmenchef läuft auf Hochtouren.

DÜSSELDORF. An dem Spitzentreffen in Frankfurt am vergangenen Mittwoch nahm Werner Marnette, seit 13 Jahren Chef des Hamburger Kupferproduzenten Norddeutsche Affinerie (NA), schon nicht mehr teil. Stattdessen führten seine wichtigsten Aufsichtsräte, Chefkontrolleur Ernst J. Wortberg und Peter von Foerster, das heikle Gespräch mit der Delegation des österreichischen NA-Großaktionärs A-Tec. Dessen Vorstandschef Mirko Kovats ließ sich – wie in diesen Fällen üblich – von seinem Aufsichtsratschef Freimut Dobretsberger begleiten. Die Herren wollte sich über das weitere Vorgehen beim Kauf des belgischen Kupferproduzenten Cumerio abstimmen, um den sich beide streiten.

Eindeutiger als mit dem Fehlen des operativ Verantwortlichen lässt sich der Bruch zwischen Marnette und seinen Firmenaufsehern nicht belegen. Seit der NA-Aufsichtsrat vor einigen Wochen einen von Marnette und Kovats mühsam ausgehandelten Kompromiss gekippt hatte, galt der streitbare Manager als angeschlagen. Er wollte dem österreichischen Investor eine Brücke bauen: Kovats, der mit seiner Sperrminorität von 25 Prozent den Cumerio-Kauf vereiteln kann, sollte zwei Sitze im NA-Aufsichtsrat bekommen, wenn er im Gegenzug darauf verzichtet, seinen Aktienanteil an der NA auf mehr als 20 Prozent aufzustocken. Doch dem NA-Aufsichtsrat gefiel der Plan, Kovats quasi einzumauern, nicht. Aber man schob andere Gründe vor. Bevor die EU-Kommission in Brüssel die wettbewerbsrechtlich umstrittene Cumerio-Übernahme nicht freigegeben habe, hätten weitere Gespräche mit A-Tec keinen Sinn.

Das war das endgültige K.o. für Marnette. Zum Abschied gibt es dennoch fast nur Lob für den 58-Jährigen, der die NA entscheidend vorangebracht hat. Der Aufsichtsrat „zollt der Lebensleistung des Vorstandsvorsitzenden großen Respekt“, man bedankt sich höflich „für seine außerordentlich erfolgreiche Tätigkeit für das Unternehmen“. Nun werde man mit der Suche eines Nachfolgers beginnen. Vorübergehend soll NA-Finanzchef Bernd Drouven die Geschäfte führen.

Klar ist schon jetzt: Der neue NA-Chef muss die geplante Übernahme von Cumerio vorantreiben. „Es kann nicht das strategische Interesse des Unternehmens sein, angesichts einer Beteiligung von 30 Prozent den Rückzug anzutreten“ , sagte WestLB-Analyst Michael Tappeiner gestern. Eine Abkehr von dem Vorhaben würde die NA finanziell hart treffen. Der Cumerio-Kurs dürfte nach einem Rückzug wieder auf den Stand vor der Ankündigung der Kaufofferte absacken. In diesem Fall droht der NA ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe.

NA hatte im Juni angekündigt, Cumerio für 777 Mill. Euro in bar kaufen zu wollen. Kurze Zeit später hatte A-Tec über die Börse 25,1 Prozent der Cumerio-Anteile erworben, die Sperrminorität. Gleichzeitig ist A-Tec größter Aktionär bei NA. Über eine eilig durchgezogene Kapitalerhöhung nahm NA knapp 100 Mill. Euro ein. Den Großteil der Aktien zeichnete die HSH Nordbank. Beobachter sehen in der Kapitalerhöhung eine Abwehrmaßnahme gegen Kovats, dessen Anteil an der NA von 15 auf 13 jetzt Prozent schrumpft. Der NA-Kurs ist inzwischen unter den Stand vor Beginn des Übernahmekampfes abgesackt. In Finanzkreisen fragt man sich bereits, wie Kovats bei der NA Geld verdienen will.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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