Zukunftsforscher Thomas Frey

„Wir werden ganz geschmeidig durch den Verkehr kommen“

Der Futurist Thomas Frey spricht über die Zukunft der Mobilität, selbstfahrende Autos und Drohnen. Für die Fortbewegung im Jahr 2035 sieht er das Aus für Autoversicherungen, Fahrschulen und Werkstätten.
Solch ein fliegendes Autos, ein Aeromobil, wird Menschen in der Zukunft von A nach B bringen. Quelle: dpa - picture-alliance
Mobilität der Zukunft

Solch ein fliegendes Autos, ein Aeromobil, wird Menschen in der Zukunft von A nach B bringen.

(Foto: dpa - picture-alliance)

Herr Frey, wie werden wir in zehn Jahren Autofahren?
Sie wollen zur Arbeit? Dann kommt ein fahrerloses Auto, holt Sie ab und fährt Sie ins Büro. Von dort nimmt das Auto dann einen anderen Fahrgast auf und fährt ihn an die gewünschte Stelle. Und so weiter. Heute haben viele ein Auto, nur für den Fall, dass sie es brauchen. Die meiste Zeit steht es jedoch in der Garage. Das wird sich ändern. Das neue Schlagwort heißt „Transportation on Demand“.

Was heißt das für Autokonzerne?
Ihr Geschäftsmodell wird sich radikal ändern müssen. Heute verdienen Hersteller daran, dass sie möglichst viele Autos verkaufen. Das wird sich zu einem Leasing-System wandeln, in dem große Flotten-Betreiber den Herstellern einen Betrag pro gefahrenen Kilometer bezahlen. Damit ändert sich auch das Anreizsystem für die Autobauer. Fahrzeuge werden dann nicht mehr so gebaut sein, dass sie nach 100.000 gefahrenen Kilometern anfangen, kaputt zu gehen. Die Hersteller habend dann eine Motivation, die Autos so widerstandsfähig wie möglich zu bauen.

Wie müssen sich die Konzerne wandeln?
Jeder Auto-Konzern hat ja heute schon eine Abteilung, die sich mit fahrerlosen Fahrzeugen beschäftigt. Doch die arbeiten bislang meist im Hintergrund. Das wird sich ändern. Die mechanischen Ingenieure, die sich heute ihren Weg in die obersten Führungsetagen erkämpft haben, werden nicht mehr die Chefs der Zukunft sein. Sie denken zu sehr in mechanischen Kategorien und verstehen die Digitalisierungswelle nicht annährend so gut wie zum Beispiel Software-Ingenieure. Diese werden künftig viel schneller ihren Weg an die Spitze finden. Das ist auch ein Grund, warum Tesla so erfolgreich ist. Dort gibt es keine alte Bürokratie, die das Unternehmen zurückhält.

Können sich denn Konzerne wie General Motors oder BMW schnell genug umstellen?
In der physischen Welt verändern sich die Dinge langsamer als in der digitalen. Sobald sich das digitale Auto also einmal durchsetzt, könnten wir sehr schnell immer neue Entwicklungen sehen. Und das könnte vielen Autokonzernen zum Verhängnis werden. Aber einige könnten sich sicherlich das digitale Know-How durch Zukäufe ins Haus holen.

Autos sind heute ja auch Statussymbole. Wird sich das ändern?
Nicht unbedingt. Es wird sicherlich luxuriöse selbstfahrende Autos geben, im Stile von Limousinen und schlichtere, die dann auch günstiger sein werden.

So könnten wir uns morgen bewegen
Platz 8 - Ein Drache für den Frachter
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In ihrem Buch „Wie wir uns morgen bewegen werden“ zeigen Christoph Markmann, Bernadette Förster und Heiko von der Gracht 88 Innovationen der Mobilität. Handelsblatt Online präsentiert acht besonders interessante Projekte.

Früher segelten die Schiffe mit dem Wind, ein Drache soll nun auch modernen Frachtern beim Spritsparen helfen. Das „Sky Sail“ soll automatisch ausgerichtet werden und so zwischen 10 und 30 Prozent des Treibstoffverbrauchs einsparen. Die Krise der Reedereien hat auch auch die Erfinder in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Zieht der Welthandel an, könnte diese Innovation dennoch wieder gefragt sein.

Erhältlich ist das Buch beim Finanzbuchverlag (19,99 Euro, ISBN 978-3-86881-595-5).

Platz 7 - Der Parkhausroboter
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Sieht aus wie ein normales Parkhaus, ist aber revolutionär. Hinter den Mauern dieses Forschungsprojektes des Fraunhofer-Instituts arbeitet ein Parkhausroboter, der gleich mehrere Herausforderungen der Mobilität lösen soll.

Platz 7 - der Parkplatzroboter
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Neu an diesem Konzept ist der Kombinutzen für die Logistik: Dem Parkhausroboter ist es egal, ob er ein Auto oder eine Palette vollautomatisch vom Eingang weg zum Lagerplatz befördert. Er macht beides zentralgesteuert - und schafft damit auch stadtnahe Lagerfläche. Auf Wunsch kann der Roboter gleich noch den Akku von Elektroautos lagern.

Platz 6 - Hausgemachter Diesel
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Warum Biokraftstoff aus Südamerika importieren, wenn man ihn im eigenen Garten produzieren kann? Schon heute lässt sich Biosprit aus Algen produzieren, bisher sind die Anlagen aber noch zu groß. Aber möglicherweise könnten die Algentanks bald schon im Auto eingebaut sein - und dort direkt frischen Sprit produzieren. Auch Bill Gates engagiert sich. Er hat einen zweistelligen Millionenbetrag in ein Start-up gesteckt, das eine Technologie entwickelt, mit der man im großen Stil Biosprit aus Algen gewinnen kann.

Platz 5 - Der Zug auf der Straße
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Der Zug auf der Straße ist längst mehr als eine Zukunftsvision. Das Navigationssystem von Pkw oder Lkw ermittelt Nähe, Tempo und Richtung einer vernetzten Kolonne und klinkt das Fahrzeug dort ein. Dann übergibt das On-Board-System die Kontrolle über das Fahrzeug an den Kolonnenführer und sein Leitsystem. Diese koordinierten Kolonnen könnten so Staus und Auffahrunfälle in Zukunft vermeiden.

Platz 4 - Das Faltauto
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Ein Klapprad kennt jeder - doch die Stadtautos der nächsten Generation könnten ebenfalls faltbar sein. Das CityCar lässt sich ineinanderschieben und kann durch zwei Lenkachsen eine 180-Grad-Wende hinlegen. Entwickelt wurde das Faltauto vom Smart Cities Project des Massachusetts Institute of Technology (MIT) gemeinsam mit General Motors.

Platz 3 - Luft im Tank
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Eine Luftnummer mit Zukunft: Statt Benzin tankt diese Knutschkugel namens Airpord Druckluft und fährt damit 100 Kilometer weit - und deutlich günstiger als mit Benzin. Und das völlig ohne Akku, allerdings auch nicht besonders schnell. Der Airpod ist daher eher als Stadtauto geeignet. Der indische Autohersteller Tata hat sich die Technologie gesichert - und testet erste Modelle auf dem indischen Markt.

Was machen wir im Auto, wenn wir nicht mehr selbst am Steuer sitzen müssen?
Alles wird sich um das Erlebnis während der Fahrt drehen. Anfangs werden die Passagiere nervös sein. Also müssen die Hersteller in die Ablenkung der Fahrgäste investieren. Sie könnten Filme schauen oder Virtual-Reality-Headsets aufsetzen. Aber man könnte auch Meetings im fahrerlosen Auto abhalten. Außerdem könnten zum Beispiel Kollegen sehen, wie weit der Chef noch vom Büro entfernt ist und sich so besser auf Verspätungen einstellen.

Drohnen werden künftig auch Menschen transportieren
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