Zukunftskonzept
Opel-Gerüchteküche brodelt am Tag X

Opel legt heute die Karten auf den Tisch. Und das ist höchste Zeit. Die Gerüchteküche brodelt über, eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Und: Der deutsche Autobauer ist längst zum Spielball der Politik geworden. Das dürfte nicht ohne Folgen bleiben.

DÜSSELDORF/BERLIN. Das Schicksal des deutschen Autobauers Opel bewegt die Republik. Heute muss die Traditionsmarke Farbe bekennen und ihr Sanierungskonzept auf den Tisch legen. Höchste Zeit, denn die Gerüchte rund um den Autobauer nehmen kein Ende. Täglich machen neue Spekulationen die Runde – auch am Freitag.

Nachdem die Nachrichtenagentur dpa ohne Angabe von Quellen berichtete, dass Opel eine hohe Milliardensumme an Bürgschaften benötige - was von Opel-Chef Hans H. Demant dementiert wurde - folgen prompt die nächsten Hiobsbotschaften. So meldet etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", dass der zum US-amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) gehörende Autobauer gar nicht mehr im Besitz der eigenen Patente sei.

Diese, so das Blatt unter Berufung auf nicht namentlich genannte Mitarbeiter, seien vor vier Jahren an eine Gesellschaft von General Motors im US-Bundesstaat Delaware mit dem Namen GM GTO abgetreten worden. Wirklich erstaunlich an dieser Nachricht ist unter dem Strich genommen allerdings wenig: Seit Beginn der Diskussion rund um Opel hatten Experten und Opel-Betriebsrat klar gestellt, dass Opel vollintegrierter Bestandteil von GM und nicht im Besitz der Patente sei.

Auch über eine Zerlegung von Opel, sprich die Schließung oder den Verkauf einzelner Werke, wird kurz vor dem Moment der Wahrheit gerne spekuliert. Bereits vor zehn Tagen hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass das profitable Werk in Eisenach einen neuen Eigentümer finden könne. Nun will die "Financial Times Deutschland" einen potenziellen Käufer gefunden haben: nämlich Daimler, der dies postwendend dementierte. Kein Wunder. Daimler kann derzeit seine eigenen Fabriken nicht mal auslasten und muss zum Mittel der Kurzarbeit und Blockpause greifen. So gesehen kann Daimler derzeit alles gebrauchen, aber nicht noch zusätzliche Kapazitäten, was freilich auch durch die Bank wohl für alle anderen Autohersteller gelten dürfte.

Neu ist die Spekulation rund um Daimler und Opel indes übrigens auch nicht. Autoanalyst Uwe Treckmann von der Dresdner Bank hatte in verschiedenen Medien, auch bei Handelsblatt.com, eine enge Kooperation von BMW, Daimler und Opel für sinnvoll gehalten - aus der bislang noch nichts geworden ist. Professor Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle für Automobilwirtschaft an der Uni Bamberg hatte mit Blick auf die nicht enden wollende Gerüchteflut zu Handelsblatt.com gesagt, dass negative Spekulationen dem Autobauer nicht helfen, sondern schaden würden. Käufer und Zulieferer würden dadurch nur unnötig verunsichert.

Verunsichert sind auch die Mitarbeiter von Opel, die jüngst zu Tausenden europaweit für ihren Arbeitgeber und den Erhalt ihrer Jobs auf die Straße gingen - und anstonsten ohnmächtig am Radion, in der Zeitung oder vor dem Fernseher mitverfolgen müssen, welches Unwetter sich da über Opel zusammenbraut - von dem bis jetzt eigentlich noch gar nicht klar ist, wie dramatisch es letztlich ausfällt.

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