Zukunftspakt
VW streicht 23.000 Stellen in Deutschland

Volkswagen will bis 2025 rund 23.000 Stellen bei der Kernmarke in Deutschland abbauen. Betriebsbedingte Kündigungen seien für die Stammbelegschaft jedoch ausgeschlossen. Weltweit fallen bis zu 30.000 Jobs weg.
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WolfsburgVolkswagen will in den kommenden Jahren seine Investitionen stutzen. Bis zum Jahr 2020 solle die Investitionsquote bis auf sechs Prozent gesenkt werden, teilte VW am Freitag im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats mit. Im Jahr 2015 hatte die Quote noch bei 6,9 Prozent gelegen. Bezogen auf den Umsatz im Konzernbereich Automobile waren das damals rund 12,7 Milliarden Euro. Doch absolute Zahlen und Planungsziffern für mehrere Jahre – wie es früher üblich war – will der Konzern in Zeiten von Dieselgate und dem tiefgreifenden Umbruch in der Autoindustrie nicht mehr nennen.

Volkswagen wolle die nötigen finanziellen Mittel in die Trends Elektromobilität, digitale Vernetzung oder neue Mobilitätsdienste stecken, erklärte VW-Chef Matthias Müller. „Gleichzeitig investieren wir stärker mit Augenmaß und setzen klare Prioritäten.“ Müller hatte schon kurz nach seinem Antritt eine Abkehr von dem in der Branche üblichen Rennen um die höchsten Absatzzahlen eingeläutet. „Insgesamt ist die Konzernpolitik so wie auch schon beim Absatz nicht mehr auf die großen Zahlen fixiert, sondern es wird mehr auf Qualität statt Quantität geschaut“, sagte ein VW-Sprecher. Vor einigen Jahren nannte der Konzern ein Investitionsvolumen über mehr als 100 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre.

Mit dem Abbau von 30.000 Stellen weltweit und einem tiefgreifenden Umbau will sich der Autobauer fit für den härteren Wettbewerb in den kommenden Jahren machen. An den deutschen Standorten der renditeschwachen Hauptmarke VW sollen 23.000 Arbeitsplätze und damit rund ein Fünftel der Stellen wegfallen, allerdings vor allem über Fluktuation und Altersteilzeit, wie VW-Markenchef Herbert Diess am Freitag in Wolfsburg erklärte. Zugleich sollen 9000 neue Jobs etwa in der Software-Entwicklung entstehen.

Mit dem so genannten Zukunftspakt solle das operative Ergebnis bei VW bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro im Jahr verbessert werden, teilte der Konzern am Freitag mit. Davon sollten drei Milliarden Euro an den deutschen Standorten und 700 Millionen Euro im Ausland eingespart werden. Das Handelsblatt hatte bereits Freitagmorgen über Eckpunkte der Vereinbarung berichtet.

„Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den kommenden Sturm wappnen“, sagte Diess. Betriebsratschef Bernd Osterloh hob hervor, dass die Arbeitnehmerseite den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2025 vereinbart habe. „Das sind neun Jahre ohne Angst um den Arbeitsplatz“, sagte er. Es tue allerdings weh, dass viele Leiharbeiter nicht mehr weiter beschäftigt würden.

Die renditeschwache Hauptmarke des Volkswagen-Konzerns unterzieht sich auch unter dem Druck des Dieselskandals und milliardenhoher Investitionen einer Rosskur. Das Flagschiff beschäftigt weltweit an rund 30 Standorten derzeit mehr als 200.000 Mitarbeiter, davon 114.000 in Deutschland. Mit dem so genannten Zukunftspakt sollen die jährlichen operativen Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro sinken. Davon sollten drei Milliarden Euro an den deutschen Standorten und 700 Millionen Euro im Ausland eingespart werden.

Die Produktivität der deutschen Werke soll um 25 Prozent steigen. Management und Betriebsrat hatten monatelang um die Einigung gerungen. Zuletzt habe Konzernchef Matthias Müller den Knoten durchschlagen, erklärte Osterloh. Vom vorangegangenen Sparprogramm stehen Insidern zufolge noch rund 2,5 Milliarden Euro an Kostensenkungen aus. VW will mit dem Fitnessprogramm die operative Rendite bis 2020 auf vier Prozent steigern, gegenüber dem aktuellen Stand ist das etwa eine Verdoppelung. Unter dem Druck des Dieselskandals will Volkswagen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts den Absatz von neuen Elektroautos rasch hochfahren.

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  • Die Autokonzerne werden jetzt nach und nach immer mehr Stellen im Grün-Sozialistischen CO2 Verbot-Merkel Land streichen und in das CO2 Willkommensland = wirtschafttliche Mehrwertschöpfung USA Trump Land verlagern.

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    Aber immer gerne, dafür gebe ich und Herr von Horn uns richtig Mühe.
    Nicht einfach den ganzen Tag zu allen Artikeln Kommentare zu schreiben.
    Da muss man schon einen breit aufgestellten Sachverstand haben. Danke

  • Was ist nur aus Deutschland geworden?
    Wann wird endlich die NOTBREMSE gezogen und dieser Wahnsinn beendet?

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