Zukunftspläne
Opel will mit Vollgas aus der Krise

Opel-Chef Stracke wechselt die Strategie: Statt Werke zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen, will er neue Märkte erschließen und mehr Modelle in Europa produzieren. Der Aufsichtsrat gibt ihm Rückendeckung.
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RüsselsheimWenn man mit dem Rücken zur Wand steht, gibt es nur eine Verteidigungstaktik: Angriff. Nach diesem Prinzip richtet auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke seinen neuen Sanierungsplan aus. Mit umfangreichen Investitionen in neue Modelle und Märkte soll Opel in schwierigem Umfeld wieder wachsen und damit Überkapazitäten abbauen.

Kurz: Die Rüsselsheimer wollen sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Ein umfangreicher Jobabbau oder Werksschließungen sind dabei vorerst ausgeschlossen - dabei spielte der Aufsichtsrat nicht mit. Mit seinem überarbeiteten Sanierungsplan spielt Stracke den Arbeitnehmern in die Hand- und setzt damit alles auf eine Karte. Tod oder Gladiolen. Das neue Konzept segnete der Aufsichtsrat nun ab.

Im überarbeiteten Sparplan ist keine Rede mehr vom Aus des Standorts Bochum mit mehr als 3200 Beschäftigten. Im Frühjahr hatte das noch anders geklungen. Mit dem Unternehmensplan muss Stracke zeigen, wie er die Kosten senken und den Umsatz steigern will, um den Autobauer aus den roten Zahlen zu führen.

Opel-Aufsichtsratschef und GM-Vizechef Stephen Girsky stärkt Stracke vorerst den Rücken: „GM steht hinter Opel“. Auch Aufsichtsrats-Vize und Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug wertet den Geschäftsplan für die Jahre 2012 bis 2016 als „eine gute Basis für die Zukunft“ Opels.

Dass Werkschließungen in dem Plan nicht erwähnt werden, wundert nicht: Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall verhandeln derzeit unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 in Deutschland. Zudem soll das vom Aus bedrohten Werk in Bochum nicht schon 2015 geschlossen werden, sondern frühestens zwei Jahre später, wenn die Fertigung des Modells Zafira ausläuft. Im Gegenzug wurde die jüngste Tariferhöhung ausgesetzt.

Verbündeter im Kampf gegen ausufernde Kosten soll der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën werden. Zuletzt wurden immer neue Details der Kooperation bekannt. Opel hat wie der Partner PSA mit Absatzrückgängen auf dem schwachen europäischen Automarkt zu kämpfen. Die Konzerne wollen deshalb über Kooperationen in den Bereichen Logistik, Einkauf und Entwicklung Kosten sparen. Daraus sollen sich nach früheren Angaben Synergien von 1,5 Milliarden Euro ergeben.

Kooperationspartner Peugeot will sein Sparprogramm verschärfen. Unternehmenschef Philippe Varin habe die Belegschaft auf noch härtere Einschnitte eingestimmt, sagen Gewerkschaftsvertreter. Zudem werde die seit längerem befürchtete Schließung des Werks Aulnay im Norden vor Paris vorbereitet. Peugeot äußert sich bisher nicht zu den Plänen.

Auch für Opel-Chef Stracken sind die teuren Überkapazitäten das größte Problem. Darum will er den Dreischichtbetrieb in allen Fabriken zur Regel machen. Nach Strackes Plan wird die Marke mit dem Blitz künftig auch mit mehr Modellen am Markt präsent sein. Binnen vier Jahren sollen 23 neue Modelle, darunter mehrere mit besonders spritsparenden Antrieben, an den Start bringt. Mit dem kleinen Geländewagen Mokka und dem Stadtauto Adam will Opel jüngere Kunden anlocken. Daneben soll ein für Opel-Verhältnisse luxuriöses Cabriolet auf den Markt kommen, mit dem man die betuchtere Kundschaft gewinnen will. Modelle wie der Antara oder der Agila, die bisher in Korea gebaut werden, sollen in Europa vom Band rollen und damit die Überkapazitäten drosseln. Zudem sollen Exporte in außereuropäische Märkte ausgebaut und die weltweite Fertigung im GM-Konzern besser abgestimmt werden.

Der Automarkt und der Problemfall Opel

Globale Produktions- und Überkapazitätsentwicklung

Fahrzeugeinheiten in Millionen


Kurz vor der Aufsichtsratssitzung hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass künftig auch die Mittelklasse-Limousinen Peugeot 508 und Citroën C5 von 2016 des französischen Partners in Deutschland gefertigt werden könnten. „Es gibt ein solches Szenario, über das derzeit ernsthaft mit den Franzosen verhandelt wird", zitiert die Zeitung Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild. Opel selbst wies die Spekulationen zurück: „Die Meldung, es gäbe Planungen, Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën im Werk Rüsselsheim zu bauen, ist pure Spekulation.“ Der Bereich Fertigung sei „derzeit“ nicht Gegenstand des Allianz-Abkommens zwischen GM und PSA.

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14 Milliarden Dollar Verlust

Kommentare zu " Zukunftspläne: Opel will mit Vollgas aus der Krise"

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  • @itstk

    Natürlich "vrschweigt" die Presse die folgen des ESM vor ihren Lesern.
    Es gibt ein Schweigegelübde für die Presse und den "Staatsfunk", daß keine Informationen ans Volk gehen dürfn. Fri nach der Devise: "Dummes Volk, gutes Volk"
    oder "Beati pauperes spiritu, sic eos caelum est!"

    Und für die "schrumpfende konservative Stammkundschaft" wollen sie jetzt "Rollatoren" bauen. (back to the roots)

  • Ich find's auch befremdlich, daß die Presse so konsequent die drohende Abstimmung über den ESM verschweigt.

    Ich hab' mir die Titelseiten dieses denkwürdigen Datums mit einem Plugin als Poster archiviert. Die vierte Säule der Demokratie hatte ich mir nämlich bisher irgendwie weniger zahnlos vorgestellt...

  • Neue Modelle? Wo?
    Ach so, die alten Schlurfen werden dann nur WOANDERS gebaut;
    Der letzte Opel, der mir Spaß gemacht hätte, war der GT. Aber da war ich erst acht.

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