Zukunftsprojekt auf der Kippe
Investitionsstau bei Continental

Der vom Absatzeinbruch in der Autoindustrie und einem Übernahmekampf gebeutelte Automobilzulieferer Continental droht gegenüber seinen Rivalen strategisch ins Hintertreffen zu geraten. Dringend notwendige Investitionen in Schlüsseltechnologien können sich die Niedersachsen offenbar kaum noch leisten, heißt es in Branchenkreisen.

HAMBURG. Eine Allianz mit dem Mischkonzern Evonik und dem Autokonzern Daimler zur Entwicklung von neuartigen Lithium-Ionen-Batterien drohe zu scheitern, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Partner. Die Technologie gilt als Basis von umweltfreundlichen Hybridfahrzeugen und Elektroautos. Offiziell wollte Conti die Chancen einer möglichen Kooperation mit Evonik und Daimler nicht kommentieren.

Ein Scheitern hätte fatale Folgen: Conti fehlt im Gegensatz zu Branchenprimus Bosch noch ein Verbündeter zur Entwicklung und Produktion des neuen Typs von Batterien, wie sie Autohersteller weltweit nachfragen werden.

Neben der drängenden Kooperationsfrage muss Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann, der sich zuletzt vor allem mit Kostenprogrammen und Begehrlichkeiten des neuen Großaktionärs Schaeffler auseinandersetzen musste, weitere strategische Fragen beantworten. So lag der asiatische Anteil von Europas zweitgrößtem Autozulieferer am Gesamtumsatz von fast 17 Mrd. Euro zuletzt nur bei 13 Prozent. "Diese Höhe reicht auf Dauer nicht", hatte Neumann selber im November eingeräumt. Es sei aber schwer, ohne eine Akquisition in den gewünschten Bereich von 20 oder 30 Prozent vorzudringen.

Dafür aber fehlt das Geld. Nach zwei Gewinnwarnungen in den vergangenen Monaten musste Conti seine Investitionen zuletzt aufgrund des Krisenumfelds erheblich zusammenstreichen.

Am Freitag hatte die EU-Kommission die Continental-Übernahme durch Schaeffler erwartungsgemäß ohne Auflagen genehmigt. Jetzt muss Schaeffler das Geld an die Conti-Aktionäre auszahlen. Bis zum 8. Januar dürfte der Deal formal abgeschlossen sein. Die Führungsspitzen beider Seiten liegen allerdings im Streit um Struktur und Kurs des neuen Unternehmenskonstruktes.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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