Zulassungsempfehlung
Boehringer nimmt Hürde für Anti-Schlaganfall-Mittel

Die Berater der US-Arzneimittelbehörde empfehlen die Zulassung eines neuen Mittels von Boehringer Ingelheim zur Vorbeugung gegen Schlaganfall. Aber auch die Konkurrenz drängt in das lukrative Marktsegment.
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FRANKFURT. Die Blutgerinnung ist ein ebenso phantastischer wie lebenswichtiger Prozess. Wird eine Blutader verletzt, startet in Sekundenbruchteilen ein kompliziertes Netzwerk von Enzymen, sogenannten Gerinnungsfaktoren, die dafür sorgen, dass Blutplättchen an der verletzten Stelle zusammenklumpen und das Leck wieder verschließen. Ohne Gerinnung würden wir schon bei kleinsten Wunden verbluten.

Dieser Schutzmechanismus kann aber auch gefährlich werden, wenn er am falschen Ort auftritt. Dann verursacht er Herzinfarkte, Thrombosen oder Schlaganfälle – und wird damit wiederum zu einem äußerst interessanten Arbeitsfeld für die Pharmabranche: Medikamente, die in das Gerinnungssystem eingreifen, liefern der Branche schon heute mehr als 15 Mrd. Dollar Umsatz.

Ein weiteres Milliardengeschäft in diesem Feld der Medizin ist in greifbare Nähe gerückt. Berater der US-Arzneimittelbehörde FDA votierten einstimmig für die Zulassung des Wirkstoffs Dabigatran von Boehringer Ingelheim als Mittel zur Vorbeugung von Schlaganfällen. Deutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller nach Bayer hat damit eine wichtige Hürde für sein vielversprechenstes Entwicklungsprojekt genommen. Denn meist folgt die FDA den Empfehlungen ihrer Berater.

Das Boehringer-Medikament blockiert ein Enzym namens Thrombin, das bei der Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielt. Es ist in Europa unter dem Namen Pradaxa bereits zur Thrombose-Prophylaxe bei Knie- und Hüftoperationen zugelassen, einer vergleichsweise engen Nischen-Anwendung.

Enormes Marktpotenzial

Mit dem Zulassungsantrag in den USA zielt der Konzern auf ein weitaus größeres Segment: die Behandlung von Menschen, die an bestimmten Herzrhythmus-Störungen leiden, dem so genannten Vorhofflimmern. Da bei ihnen das Blut in den Herzkammern nicht richtig zirkuliert, ist das Risiko erhöht, dass sich Blutgerinnsel bilden und zu Schlaganfällen führen. Alleine sechs Millionen Personen in Europa und den USA sind nach Industrieschätzungen davon betroffen.

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