Zulassungsstopp für Mercedes
Kalter Krieg mit den Franzosen

Frankreich stoppt die Zulassung für neue Kompaktmodelle und Sportwagen von Mercedes. Die Klimaanlage entspreche nicht den EU-Vorgaben, sagen die Pariser Behörden. Die Deutschen halten das Vorgehen für rechtswidrig.
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Paris/DüsseldorfDie Nachricht aus Paris hat die Daimler-Manager kalt erwischt. Mitte vergangenen Woche stoppten die französischen Behörden die Zulassung von drei wichtigen Baureihen des Konzerns. Das verwendete Kältemittel der Klimaanlage entspreche nicht den EU-Vorgaben, so die offizielle Begründung. Modelle der A-Klasse, B-Klasse und SL-Klasse, die nach dem 12. Juni produziert wurden, dürfen derzeit in Frankreich zwar noch verkauft werden - aber ein Nummernschild gibt es für die Neuwagen nicht mehr. Es ist die nächste Eskalationsstufe in einem Streit um Kühlmittel, der innerhalb der EU seit Jahren schwelt und nun einen neuen Höhepunkt erreicht.

Die EU schreibt vor, für Neuwagen, deren Typprüfung nach dem 1. Januar 2011 beantragt worden ist, ein neues Kältemittel für Klimaanlagen zu verwenden. Der neue Kühlstoff mit dem umständlichen Namen R1234yf sollte das alte extrem umweltschädliche Kältemittel R134a ablösen, das seinerzeit das Treibhausgas CO2 abgelöst hatte. Hersteller, die nicht mitspielten, sollten sogar mit Strafgeldern belegt werden. Soweit der Plan der EU.

Dass nun ausgerechnet Daimler-Modelle mit einem Zulassungsstopp belegt werden, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Denn die Stuttgarter waren 2011 als Vorbild vorangegangen und hatten sich zunächst brav an die Brüsseler Verordnung gehalten. Als erster deutscher Hersteller setzten sie das neue, von Auto Bild auch schon mal „Killer-Kältemittel“ genannte R1234yf in den Klimaanlagen der neuen SL-Baureihe ein. Doch die Fahrzeuge - in Deutschland traf es 705 Sportwagen - ereilte im Oktober 2012 genau deswegen eine Rückrufaktion. Nach Daimler-Tests, die in einem flammenden Inferno endeten, entschieden sich die Stuttgarter, nicht mehr das neue, sondern wieder das alte Kühlmittel zu verwenden.

Das ging, weil andere deutsche Hersteller vorher schon einen Trick angewandt hatten, um die Verordnung aus Brüssel zu umgehen, dessen sich nun auch Daimler bediente. Denn die Typprüfungs-Richtlinie des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) lässt ein Hintertürchen offen: Sie ist nur dann vorgeschrieben, wenn es sich bei dem betreffenden Fahrzeug um eine komplette Neuentwicklung handelt. Fußt das neue Auto aber in Teilen auf seinem Vorgänger – und dazu reicht bereits eine Übereinstimmung mit Teilen der Bodengruppe –, dann gilt der Neue als Weiterentwicklung und die Typprüfung erübrigt sich.

Volkswagen, Audi und BMW haben darum seit dem 1. Januar 2011 kein neues Auto mehr zur Typprüfung beim Kraftfahrt-Bundesamt vorgestellt, sondern nannten ihre neuen Modelle einfach Weiterentwicklungen vorhandener Fahrzeuge. So entkam beispielsweise der neue Golf VII der Brüsseler Anordnung - ganz legal. Und auch die neue S-Klasse, Daimlers Flaggschiff, wurde ohne Probleme zugelassen, obwohl das alte Kühlmittel eingesetzt wurde.

Kommentare zu " Zulassungsstopp für Mercedes: Kalter Krieg mit den Franzosen"

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  • Weg von der Ideologie hin zum Pragmatismus, meine Hoffnung liegt auch bei der AfD.
    Was in Sachen Klimahysterie, Energiewendeirrsinn und Euroretterei abgeht ist einfach nur noch unerträglich.

  • Meiner Meinung nach geht es gar nicht um das Mittel in der Klimaanlage. Die Franzosen brauchen Geld und wollen sich aber nicht von der EU, dem ESM oder dem IWF reinreden lassen. Gleichzeitig wissen die, dass Herr Schäuble und Frau Merkel immer und überall alles zahlen. Also, sooo gut gehts der deutschen Autoindustrie nicht und Wahlen stehen auch an - was gibts besseres jetzt? Ein klein wenig Druck mache - ich will ja nicht von Erpressung reden.

  • In Europa gibt es nur noch Volldeppen und Behinderte,und die wollen jetzt auch eine Freihandelszone mit USA! Das hält mer im Kopp nit mehr aus.Merkt Ihr EU Administratoren eigentlich noch irgend etwas,so am Rande?

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