Zulieferer ausgelastet: Shell stößt an seine Grenzen

Zulieferer ausgelastet
Shell stößt an seine Grenzen

Ölkonzern Shell muss sich in Geduld üben: Da es derzeit keine Kapazitäten im Bereich der Zulieferer gibt, kann das Unternehmen nicht mit der Geschwindigkeit expandieren, die prinzipiell möglich wäre. Rekordgewinne wollen investiert werden – aber nicht um jeden Preis.

DÜSSELDORF. Der Ölkonzern Royal Dutch Shell kann nicht so schnell wachsen, wie er gern will. „Wir schieben einige Projekte hinaus, weil es einen Engpass bei den Zulieferern gibt“, sagte Peter Voser, Finanzvorstand von Shell, dem Handelsblatt. Auch bei gefüllten Kassen wolle man vermeiden, mehr zu zahlen als nötig. „Wenn wir bei einem Projekt nicht wenigstens drei, vier Angebote einholen können, weil die anderen ausgelastet sind, dann hat es keinen Sinn“, sagt Voser.

Der Finanzchef des Ölriesen findet sich deshalb in einer paradoxen Lage. Gerade hat Shell die besten Zahlen in der Unternehmensgeschichte vorgelegt: 25,4 Mrd. Dollar Gewinn in einem Jahr. Doch weil die Investoren genau hinschauen, schüttet Shell für 2006 lieber 16 Mrd. Dollar an seine Aktionäre aus, als sich auf einen Preiskampf um Zulieferer einzulassen.

Aus Anlegersicht nämlich ist Shell nur zweite Wahl. 3,4 Mill. Barrel Öl und Gas hat der Konzern 2006 jeden Tag gefördert und dabei pro Barrel 14 Dollar verdient. Das sind zwar 80 Prozent mehr als im Jahr 2003. Doch Exxon-Mobil, der Branchenprimus, hat in den vergangenen drei Jahren seine Rentabilität mehr als verdoppelt und steckt 17 Dollar Gewinn pro Barrel ein. BP hat sich hingegen 2006 trotz Rekordpreisen an den Rohstoffbörsen sogar verschlechtert und kommt auf 11,20 Dollar Gewinn pro Barrel. „In der Branche gibt es gar keine Diskussion darüber, wer seine Kosten am besten im Griff hat“, sagt Analystin Mansi Singhal von Lehman Brothers in New York. „Exxon ist das Maß aller Dinge.“

Der Vergleich der großen Ölkonzerne zeigt: Trotz des ständig steigenden Bedarfs an Öl und Gas auf den Weltmärkten fördern sowohl Shell als auch Exxon heute weniger als zu Beginn des Jahrzehnts. Exxons Produktion stagnierte bei 4,3 Mill. Barrel pro Tag, Shell fuhr die Förderung sogar um sieben Prozent zurück. BP dagegen legte um 23 Prozent auf 3,9 Mill Barrel pro Tag zu. Bei den riesigen Zahlen, mit denen die Ölkonzerne hantieren, gerät eines leicht aus dem Blick: Im Vergleich mit den Staatskonzernen etwa in Saudi-Arabien oder Venezuela sind die börsennotierten Unternehmen kleine Spieler. „Unser Anteil an der Weltförderung liegt bei drei Prozent“, sagt Shell-Vorstand Voser.

Die Diskussion um eine Ende des Öls sieht der Finanzchef gelassen. 25 bis 30 Jahre garantiere Shell eine konstante Produktion, auch wenn die Kosten wachsen. Zwei Dollar pro Barrel muss der Konzern derzeit aufwenden, um ein neues Ölvorkommen zu finden, weitere sechs Dollar, um es zu erschließen. Die derzeitigen Förderkosten liegen bei sechs Dollar pro Barrel. 14 Dollar Kosten – 14 Dollar Gewinn für Shell – eine Marge, die in dieser Höhe nur in wenigen anderen Branchen üblich ist. Der Software-Gigant Microsoft etwa liegt mit seinen Windows- und Office-Produkten weit darüber.

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