
MÜNCHEN/HAMBURG. Der hochverschuldete Autozulieferer Continental und sein Großaktionär Schaeffler streben absehbar keine Verschmelzung beider Unternehmen an. Das geht aus dem rechtlich verbindlichen Wertpapierprospekt für Anleger zur Kapitalerhöhung hervor, den die Bonner Aufsichtsbehörde BaFin informierten Kreisen zufolge heute genehmigen dürfte. In den kommenden zwölf Monaten sei keine Fusion geplant, konkretisierten Kontrolleurskreise von Continental den Zeitrahmen. Beide Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.
Am vergangenen Mittwoch hatte Contis Aufsichtsrat eine Kapitalerhöhung in Höhe von gut einer Mrd. Euro beschlossen. Die 31 Mio. neuen Aktien übernimmt ein Bankenkonsortium im Auftrag von institutionellen Investoren. Bisherige Aktionäre können zwei neue Aktien für je elf alte beziehen. Der Kurs legte danach kräftig zu von gut 40 auf mehr als 46 Euro.
Dem Wertpapierprospekt nach wollen die beiden Zulieferer bei konkreten Projekten im Bereich Powertrain zusammenarbeiten. Dabei geht es um Systeme und Komponenten für Motoren und Getriebe. Continental gilt als Elektronikspezialist, Schaeffler als führend auf dem Gebiet der Mechanik.
Eine rechtliche Einheit ist aber vorerst nicht mehr geplant. Im Spätsommer vergangenen Jahres hatte Schaefflers Chef Jürgen Geißinger dagegen in Contis Kontrollgremium ein Konzept vorgestellt, das die Autozuliefer-Sparten beider Unternehmen unter dem Dach einer neuen Holding bündeln und die Schulden neu verteilen sollte.
Nach dem haben die beiden insgesamt mit mehr als 21 Mrd. Euro an Krediten belasteten Zulieferer im Rahmen neuer Finanzierungskonzepte mehr Luft von ihren Gläubigern bekommen. Sie konzentrieren sich im schwierigen Autojahr 2010 auf die jeweilige Sanierung. In Industriekreisen hieß es, die für eine Fusion notwendigen Schritte seien so komplex, dass man beim Zeitplan flexibel sein müsse. Wichtig sei erst einmal, dass Schaeffler und Conti bei den operativen Integrationsthemen wie der Sanierung von Powertrain vorankämen.