Zulieferer
Continental will mit drei Branchentrends wachsen

Der nach der Übernahme von Siemens VDO zweitgrößte europäische Autozulieferer Continental setzt strategisch auf drei Themenfelder. „Wir stellen uns so auf, dass wir von den Megatrends der Automobilbranche profitieren können“, sagte Continental-Chef Manfred Wennemer gestern auf der Branchenmesse IAA.

FRANKFURT. Aus seiner Sicht sind das die Reduktion des Treibhausgases CO2, Sicherheit im Straßenverkehr mit Telematik sowie Infotainment. Infotainment umfasst Geräte, die dem Fahrer das Navigieren des Fahrzeuges erleichtern und ihn unterhalten. Telematiksysteme sollen Autos untereinander und mit ihrer Umgebung vernetzten, um etwa bei Stau oder Unfall schneller reagieren zu können. Mit der noch zu bewältigenden Integration von Siemens VDO sieht der Vorstandschef den Konzern entsprechend gerüstet. „Wir haben eine Produktpalette, die sich hervorragend ergänzt, und den Megatrends entspricht“, sagte Wennemer. „Unser Ziel ist es nicht, der Größte zu sein, unser Ziel ist es aber, in den Feldern, in denen wir tätig sind, die besten zu sein.“

Weiteren Schwung erhofft sich der Zulieferer von der steigenden Nachfrage nach preiswerten Autos, die vor allem in Schwellenländern wie China und Indien zweistellig wachsen soll. „Wir rechnen damit, dass die für solche Autos produzierten Teile bis zu 20 Prozents unseres Portfolios und Umsatzes ausmachen werden; hoffentlich mehr“, sagte Continental-Vorstand Karl-Thomas Neumann dem Handelsblatt. Neumann ist für Automotive Systems und technische Entwicklung zuständig.

Der Plan für die Integration der ehemaligen Siemens-Sparte schreiten voran. In den letzten Wochen besuchte die Conti-Spitze rund 60 der größten Werke, um zu überprüfen, ob und wie sie zu Contis Anlagen passen. „Wir ziehen keinen vor, sondern suchen nach den besten Prozessen“, sagte Wennemer. „Alle haben die gleiche Chance, ob sie von Continental sind oder von Siemens VDO.“

So lange die kartellrechtliche Prüfung dauert, stockt die Umsetzung. Wennemer hofft auf eine Entscheidung bis November. „Wir planen so, dass wir am Tag eins sofort mit der Integration beginnen können“, sagte der Vorstandschef. Der Konzern erhält dann eine neue Struktur. Aus bisher drei Geschäftsbereichen bei Conti werden sechs gemeinsame: Conti-Tech, PKW-Reifen, Nutzfahrzeug-Reifen, „Chassis and Safety“, Powertrain sowie Interior.

Auch die Finanzierung steht nach Wennemers Angaben: Bis Anfang Oktober soll sich ein Konsortium aus Banken bilden, um die zur Übernahme von Siemens VDO notwendige Kaufsumme zu finanzieren. Insgesamt geht es um 13,5 Mrd. Euro, darin sind gut zwei Mrd. Euro Spielraum enthalten. „Das halten wir für alle Eventualitäten vor“, sagte Wennemer. Auch eine Erhöhung des Eigenkapitals von bis zu zehn Prozent zieht er in Erwägung. „Wir gehen davon aus, den Schuldenberg, der 2008 sicher entsteht, schnell wieder abbauen zu können“, sagte der Conti-Chef.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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