Zulieferer in der Krise
Konzerne stützen ihre Lieferanten

Der Abschwung nach der Finanzkrise trifft auch die Autozulieferbetriebe. Nun überlegen die Vorstände der Automobilkonzerne, angeschlagenen Zulieferbetrieben finanziell unter die Arme zu greifen. Fehlen den Herstellern wichtige Bauteile, stehen die Bänder still.

HAMBURG/STUTTGART/MÜNCHEN. Manchmal erhalten Routinetermine unverhofft mehr aktuelle Brisanz als geplant. Als gestern Abend gut 1 600 Autovorstände wie VW-Chef Martin Winterkorn, Manager und Politiker die Eröffnung der Internationalen Zuliefererbörse von Europas größtem Autohersteller in Wolfsburg begingen, war vielen nach allem andern als Feiern zu Mute – die dramatischen Einbrüche der Autonachfrage schlagen voll auf die 670 Aussteller durch.

Das weiß auch Schirmherr Garcia Sanz, Einkaufsvorstand von Volkswagen. „Wir beobachten die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten sehr genau. Dies gilt auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten“, sagte der VW-Manager dem Handelsblatt. „Im Rahmen unseres Risikomanagements halten wir engen Kontakt zu unseren Partnern und prüfen im Bedarfsfall die Einleitung konkreter Maßnahmen zur Sicherung der Liquiditätssituation.“ In der Praxis heißt das etwa, dass Zahlungsziele erheblich verkürzt werden oder die Wolfsburger sogar Vorauskasse leisten.

„Wir schauen in der aktuellen Situation noch genauer und früher hin. Wir haben unsere Systeme, um Probleme bei Zulieferern zu erkennen, nochmal verfeinert“, sagt auch Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle . Alle deutschen Autohersteller bereiten sich bereits auf mögliche Schwierigkeiten bei ihren Zulieferern vor. Notfalls greife die Branche seit jeher in Not geratenen Zulieferern unter die Arme, um die Versorgung der Lieferketten nicht zu gefährden. „Unsere entsprechende Abteilung ist bereits verstärkt worden. Das ist ein Thema, das auf der Agenda steht“, heißt es bei einem weiteren Autohersteller. Noch gebe es allerdings keinen bekannten größeren Fall. Der könnte allerdings bald kommen. Eine mögliche Kreditklemme könne zu einem dramatischen Anstieg der Insolvenzen unter den Zulieferern führen, sagte kürzlich BMW-Einkaufschef Herbert Diess. Daher arbeite BMW derzeit eng mit den Einkaufsabteilungen anderer Premium-Hersteller zusammen, um Zulieferer zu unterstützen, die in Not geraten.

Darüber, wie diese Unterstützung aussieht, wird in der Branche nicht gern gesprochen. Dem Vernehmen nach geht es meist aber um die vorübergehende Zahlung von höheren Preisen. Gelegentlich werden auch Kredite vergeben. Bei einem Zulieferer, der mehrere Hersteller bedient, setzen sich in der Regel die Leiter der Risk-Management-Abteilungen zusammen und suchen eine konzertierte Lösung. Unproblematisch sind solche Stützungsaktionen nicht. „Es geht nicht, dass jedes Unternehmen mit einer verfehlten Geschäftspolitik sich darauf verlassen kann, dass es aufgefangen wird“, heißt es in Branchenkreisen. Die Geheimniskrämerei hat ihren Grund: Hilfen wecken Begehrlichkeiten auch bei anderen Zulieferern.

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