Zulieferer mit Wachstumspotenzial
Europas Autoindustrie umfährt die Finanzkrise

Negative Folgen der Finanzkrise für die europäische Autoindustrie sind nicht zu erwarten. Zu diesem Schluss kamen Finanzexperten auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Die Automobilindustrie“. Die erwartete Konsolidierung der deutschen Zulieferlandschaft werde durch die Kreditklemme nicht aufgehalten, hieß es.

FRANKFURT. "Ungeachtet der Marktschwierigkeiten ist der Zuliefererbereich eine hochattraktive Anlagemöglichkeit für Beteiligungskapital“, sagte Rolf Scheffels, Vorstand der börsennotierten Deutschen Beteiligungs AG, die gemeinsam mit dem jeweiligen Management deutsche Zulieferer aufkauft. Ziel ist es, deren Wert zu steigern, indem das Geschäft entwickelt und globalisiert wird.

"Wir sind unverändert auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten in der Branche“, sagte Scheffels. Oftmals handele es sich dabei um Familienbetriebe mit einer ungeklärten Nachfolge an der Unternehmensspitze. Als Dimension für solche Übernahmen nannte der Vorstand der Deutschen Beteiligungs AG 50 bis 300 Mill. Euro.

Allerdings seien viele Banken bei der Finanzierung von Deals aus der Autobranche vorsichtig: "Das liegt aber daran, dass die meisten misslungenen Übernahmen durch das Management aus der Autobranche kommen.“ Trotz eines gesunden operativen Geschäfts könne ein Zulieferer durch eine schlecht gemanagte Finanzierung in eine Schieflage geraten. Den Hauptgrund sieht Scheffels in den hohen Vorleistungen, die Zulieferer bei den Kosten für Entwicklung und Produktion von Teilen für die Autohersteller zu schultern haben. Das Übernahmepotenzial ist aber noch nicht erschöpft. "Wir bekommen zunehmend Anfragen von Managern deutscher Zulieferunternehmen, die Interesse an einem Einstieg von Private Equity haben“, sagte Scheffels. "Die Heuschreckendiskussion war für uns da sogar förderlich.“

Scheffels geht von guten Chancen für die europäischen Zulieferer aus, mit den großen amerikanischen Autobauern General Motors, Ford und Chrysler ins Geschäft zu kommen. "Sie sind erheblich schneller und innovativer als die US-Zulieferer.“ Aufgrund der immer neuen Kostensparprogramme des amerikanischen Herstellertrios gelten die US-Zulieferer als kaum wettbewerbsfähig. Deren Defizit bestätigen europäische Automanager wie Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Die Finanzkrise wirkt sich bislang nicht auf die Bonität der europäischen Autohersteller und Zulieferer aus. Maria Bissinger, Autoanalystin bei der Ratingagentur Standard & Poor’s, verwies bei der Handelsblatt-Jahrestagung darauf, dass ihr Unternehmen alle Hersteller und Zulieferer auf Konsequenzen der Finanzkrise auf die Liquiditätssituation geprüft habe. "Wir haben keine aktuellen Schwierigkeiten bei der Refinanzierung festgestellt“, sagte Bissinger.

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