Zulieferer
Schaeffler schwächelt im Industriegeschäft

Wechselkurseffekte bremsen das Wachstum von Schaeffler. Zwar wird es zu einem großen Plus in der Automotive-Sparte kommen; dies reicht allerdings nicht, um das Gesamtgeschäft des Konzerns aus Herzogenaurach anzuschieben.
  • 0

München/HerzogenaurachDer Zulieferer Schaeffler muss der Schwäche in seinem Industriegeschäft Tribut zollen und schraubt sein Umsatzziel erneut herunter. Der Familienkonzern aus Herzogenaurach hatte die Prognose bereits im Sommer reduziert. Operativ sollen die Erlöse nun zwar weiter um rund ein bis zwei Prozent zulegen, einschließlich negativer Effekte aus Währungsschwankungen rechnet Schaeffler jetzt allerdings nur noch mit Stagnation. In den ersten neun Monaten kam Schaeffler beim Umsatz nicht vom Fleck. Kräftige Zuwächse in der größeren Autosparte wurden durch Einbrüche im Industriegeschäft wieder aufgezehrt. Außerdem bremsten die Schwäche von Dollar, Yen oder brasilianischem Real den Zulieferer, wie Interimschef Klaus Rosenfeld sagte.

Die Absicherung von Währungseffekten sei beim US-Dollar einfacher als etwa bei der indischen Rupie. Schaeffler zählt große US-Autobauer wie GM und Ford zu seinen Kunden für Teile von Motoren und Getrieben. Im Geschäft mit heimischen Herstellern, darunter VW und Daimler, profitieren die Franken zudem vom Export.

In der Industriesparte brach der Umsatz zuletzt ein, konzernweit stagnierte er deshalb in den ersten neun Monaten bei 8,4 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte hätte sich ein Plus ergeben, rechnete Schaeffler vor. Das Geschäft mit Wälz- und Gleitlagern für die Windenergie, die Schwerindustrie oder für Produktionsmaschinen habe sich zwar stabilisiert, aber eine Trendwende sei noch nicht in Sicht. Vor allem in Europa und Asien sei im vierten Quartal noch keine Erholung zu erwarten. Allerdings gebe es im wichtigen Absatzmarkt China erste positive Anzeichen. Für 2014 rechnet Rosenfeld damit, dass das Segment auf Wachstumskurs zurückfindet.

Der operative Gewinn (Ebit) sackte von Januar bis Ende September um mehr als neun Prozent auf gut eine Milliarde Euro ab. Zu Buche schlugen auch 48 Millionen Euro für Stellenabbau in Schweinfurt und Wuppertal. Damit sei die Restrukturierung abgeschlossen, sagte Rosenfeld. 2013 erreicht Schaeffler die ursprünglich angepeilte Rendite (Ebit-Marge) von rund 13 Prozent nur noch, wenn die Sanierungskosten herausgerechnet werden. Zuletzt sank die Marge auf 12,3 (13,6) Prozent.

Der kommissarisch als Vorstandsvorsitzender amtierende Finanzchef antwortete auf die Frage, ob er nach den ersten Wochen im neuen Job auf den Geschmack gekommen sei, Aufsichtsrat und Gesellschafter müssten entscheiden, wie es weitergehe. Schaeffler hatte sich Anfang Oktober abrupt vom langjährigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Geißinger getrennt. Dieser hatte den Konzern zu einem der größten Autozulieferer der Welt gemacht, unter anderem durch die riskante und beinahe missglückte Übernahme des weitaus größeren Zulieferer Continental. Nach Geißingers Abgang sprang Rosenfeld in die Bresche.

Hinter den Kulissen hieß es, der geschasste Chef habe auf Wachstum gepocht, während der Finanzvorstand und die Familieneigner auf Schuldenabbau gedrängt hätten. Rosenfeld sagte, Schaeffler sei darauf fokussiert, die Verschuldung über die Zeit zu reduzieren, ohne die Wachstumstrategie zu gefährden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zulieferer: Schaeffler schwächelt im Industriegeschäft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%