Zulieferer
Schaeffler will niemandem kündigen

Der ums Überleben kämpfende Autozulieferer Schaeffler will auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Entscheidende Voraussetzung: Es lässt sich anderswo im Unternehmen Geld sparen. Die Schaeffler-Belegschaft muss sich auf Einschnitte gefasst machen - und dafür führt Schaeffler die Mitbestimmung ein.

HB HANNOVER. Der durch die kreditfinanzierte Conti-Übernahme ins Straucheln geratene Wälzlagerhersteller Schaeffler will bei seinem Sparkurs bis Mitte 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Voraussetzung sei allerdings, dass es gelinge, durch andere Maßnahmen die Personalkosten um 250 Mio. Euro zu senken, teilte Schaeffler am Dienstag mit. „Die Einsparungen sollen in einen Anteil am Unternehmen umgewandelt werden“, sagte ein Gewerkschaftsvertreter.

Dabei kann der ums Überleben kämpfende Autozulieferer nach drastischen Auftragseinbußen mit der Unterstützung von IG Metall und Betriebsrat rechnen. Die Unternehmensführung und die IG Metall verständigten sich auf Personaleinsparungen in Deutschland.

Details der Mitarbeiterbeteiligung müssten noch ausgehandelt werden. Zu den geplanten Maßnahmen gehören verkürzte Arbeitszeiten bei geringeren Gehältern, freiwillige Aufhebungsverträge, Altersteilzeit und die Kürzung von Einmalzahlungen. Auch die Gründung von Transfergesellschaften ist geplant, in denen die Mitarbeiter für neue Jobs qualifiziert werden. Schaeffler hatte vor einigen Tagen 4500 seiner 28 000 Jobs in Deutschland in Frage gestellt.

Schaeffler gewährt Arbeitnehmervertretern bei wichtigen Unternehmensentscheidungen künftig Mitsprache. Das fränkische Familienunternehmen will einen Aufsichtsrat einrichten, bestehend jeweils hälftig aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. „Wir gehen davon aus, dass die Mitbestimmung in den nächsten drei Monaten eingeführt wird“, sagte der Gewerkschaftsvertreter.

Allerdings könnten die Verhandlungspartner bei diesem Thema von den Bemühungen zur Sanierung des krisengeschüttelten Wälzlagerherstellers überrumpelt werden. Fast ein Jahr nach Bekanntgabe der Pläne von Schaeffler zur Übernahme von Continental stehen Kreisen zufolge die Umrisse der künftigen Gruppe fest, das endgültige Konzept könnte im Juli oder August stehen. Zentraler Bestandteil ist die Übertragung des gesamten operativen Geschäfts von Schaeffler - sowohl der Automobilzuliefer-Sparte als auch der Industriewälzlager-Sparte - auf die Continental AG. Damit hätte der übernommene Konzern die operative Führung.

Zudem dürften die Gläubigerbanken wohl Haupteigner des gemeinsamen Konzerns werden. Grund für die veränderten Vorzeichen ist die Finanz- und Wirtschaftskrise, die die ursprünglichen Übernahme-Ambitionen des fränkischen Familienkonzerns Schaeffler durchkreuzte.

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