Zulieferer spart an Kritik
Magna gibt sich betont gelassen

Wer so brüskiert wird, wie Magna im Kampf um Opel durch GM, der sollte eigentlich einiges an Kritik zu äußern haben. Der kanadisch-österreichische Autozulieferer zeigte sich doch bislang als ein mehr als fairer Verlierer. Entscheidend hierfür ist ein gar nicht mal so kleines Details: General Motors ist Magnas wichtigster Kunde.
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WIEN/MOSKAU. Mit großer Zurückhaltung hat der Magna-Konzern auf die GM-Entscheidung reagiert, Opel nun doch nicht an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer abgeben zu wollen. Magna-Vorstandschef Siegfried Wolf deutete sogar Verständnis für den Sinneswandel der Amerikaner an. "Opel spielt eine wichtige Rolle im GM-Konzernverbund", sagte Wolf.

Magna hat in den vergangenen Monaten viel Zeit und Geld in die geplante Übernahme von Opel investiert. Das Unternehmen selbst wollte dazu keine Stellung abgeben. Branchenexperten schätzen allerdings, dass der angedachte Ausflug in die Welt der Automobilhersteller bei Magna einen Millionenbetrag verschlungen hat.

Dass Magna-Chef Wolf die GM-Entscheidung nicht zu verurteilen wagte, hat allerdings einen handfesten Grund. Der US-Autokonzern ist der wichtigste Kunde des Automobilzulieferers, Magna kann sich die öffentliche Kritik eines bedeutenden Kunden nicht erlauben. Auch in Europa ist Magna über die deutsche Tochter Opel ein wichtiger GM-Kunde. Wolf versicherte dem US-Konzern, dass Magna "General Motors auch in Zukunft unterstützen" werde.

In einem Punkt sorgt die Absage aus Detroit für Erleichterung beim kanadisch-österreichischen Zulieferer. Vor allem Volkswagen hatte in den vergangenen Wochen immer wieder mit einem Auftragsstopp für Magna gedroht, sollte der Zulieferer über Opel tatsächlich in die Bastion der Autohersteller eindringen. In der Magna-Europazentrale in Oberwaltersdorf bei Wien wird unverhohlen eingestanden, dass sich dieses Thema nun von allein erledigt habe.

In Moskau sorgte die GM-Kehrtwende ebenfalls für eine Überraschung. Beim russischen Autobauer GAZ, den Magna mit Opel zusammenbringen wollte, blieb die Reaktion dennoch verhalten. "Wir haben schon in der Vergangenheit enge Beziehungen zu Magna und General Motors gehabt und werden sie selbstverständlich aufrechterhalten", sagte eine Sprecherin des Konzerns. Nichts spreche gegen eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit. Nicht auszuschließen sei, so die GAZ-Sprecherin weiter, dass nun wieder Pläne aufgegriffen würden, gemeinsam mit GM einen günstigen Pkw auf Opel-Basis eigens für den russischen Markt zu entwickeln.

Die Reaktionen des politischen Russlands blieben gestern am Feiertag der "Nationalen Einheit" gefasst: Nach den Worten von Russlands Vizepremier Alexander Schukow ist die GM-Entscheidung nicht zu bedauern. "Die russische Automobilindustrie hat auch ohne Opel genug eigene Probleme", sagte er. Russland müsse sich nun eben selbst um die Sanierung seiner verlustreichen und wenig produktiven Automobilhersteller kümmern. Moskau hat allein an den pleitebedrohten Hersteller Avtovaz an die zwei Milliarden Euro als Überlebenshilfe überwiesen. 50 000 Arbeitsplätze sind bei Avtovaz bedroht, Moskau befürchtet soziale Unruhen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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  • Liebe FDP! zeigt Mut und steht zu Eurer Politik. Trotz eines Loches im industriepensionsfond: lasst opel sterben. Der Markt wird sich von alleine regenerieren. Alles andere ist Wettbewerbsverzerrung. Merkel hört leider zu sehr auf R. Shiller und seine Wirtschaftspsychologie. leider hört sie nur immer sehr unterschiedlich zu. mehr psychologie als Wirtschaft. Ein sauberer Schnitt mit Opel. Sollen sie versuchen, ihre Autos in England und Polen zu bauen. Vielleicht werden sie glücklich damit.

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