
^DÜSSELDORF/HAMBURG. Vor dem heute startenden 33. Deutschen Seeschifffahrtstag in Cuxhaven wächst die Zuversicht in der maritimen Wirtschaft, dass sie den seit Herbst 2008 anhaltenden Abwärtstrend gestoppt hat. Der krisengeschüttelte Containertransport auf dem Meer legt nämlich wieder deutlich zu.
Das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) etwa sieht globale Dynamik in der Containerschifffahrt: Institutschef Burkhard Lemper stellte ein "sehr hohes Wachstum" im ersten Quartal fest - vor allem im Asien-Europa-Verkehr seien es 20 Prozent gewesen: "Es wird immer besser."
Aus Europa würden überwiegend Investitionsgüter, aber auch Rohstoffe wie Altpapier nach Fernost verschifft. In umgekehrter Richtung läuft das Geschäft mit Konsumgütern von Computern bis zu Textilien wieder in großem Umfang an.
Teilweise kommt es sogar zu Engpässen. Die Transportkapazitäten von China nach Europa reichen zeitweise nicht aus; die Nachfrage der Kunden ist erheblich größer als die mit den Linienreedern zuvor geplanten Mengen. Immer mehr der in der Krise stillgelegten Kapazitäten werden jetzt reaktiviert, um die Mengen zu bewältigen. Inzwischen sind die Frachtraten auf einigen Strecken 50 Prozent und mehr gestiegen. "Und auch die Charterraten sind wieder auf dem Weg nach oben", sagt Schifffahrts-Professor Lemper. Der maritime Aufwärtstrend bleibt allerdings relativ, da die Ausgangsbasis nach dem Zusammenbruch des Geschäfts 2008 und zu Beginn des Jahres 2009 immer noch niedrig ist. "Für das Gesamtjahr 2010 erwarten wir aber eine echte Steigerung in der Containerschifffahrt von neun bis zehn Prozent", so der ISL-Chef.
Das Wachstum beschränkt sich nicht nur auf den Verkehr zwischen Asien und Europa. Lemper zufolge ist im ersten Vierteljahr 2010 in den Häfen eine weltweite Zunahme des Container-Umschlags um 16 Prozent zu beobachten gewesen.
Allerdings haben die deutschen Häfen davon vergleichsweise wenig: So profitiert der Hamburger Hafenlogistiker HHLA weniger als die Rivalen von der Erholung. Im Ersten Quartal legte der Umschlag von Containern im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres lediglich 0,5 Prozent zu, während der Hafen von Rotterdam 16 Prozent mehr Container bewegte. Hamburger Reeder wie Jochen Döhle sehen angesichts der Probleme mit der Vertiefung und Verbreiterung der Elbe den Stellwert des heimischen Hafens als wichtigstem Containerplatz der Welt in Gefahr.