Zumtobel : Leuchtenhersteller greift deutschen Markt an

Zumtobel
Leuchtenhersteller greift deutschen Markt an

Der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel will seinen Marktanteil in Deutschland deutlich ausbauen. Zumtobel-Chef Ulrich Schumacher will das Unternehmen zu einer Art „Google der Lichtindustrie“ machen.
  • 0

WienUlrich Schumacher ist um klare Worte nie verlegen. Der Chef des österreichischen Leuchtenherstellers Zumtobel kündigte einen aggressiven Verdrängungswettbewerb im deutschen Markt an. „Alles unter zehn Prozent Marktanteil im deutschen Markt sehe ich persönlich als Beleidigung an“, sagte der Ex-Infineon-Chef am Dienstag in Wien.

Von diesem Ziel ist der börsennotierte Konzern aus dem vorarlbergischen Dornbirn aber noch ein großes Stück entfernt. Nach Angaben des Managements besitzt Zumtobel derzeit lediglich einen Marktanteil von 6,5 Prozent bei Innenleuchten. Der sauerländische Konkurrent Trilux hatte in den vergangenen Jahren den Österreichern viele Kunden abspenstig gemacht und besitzt fast den doppelten Marktanteil. „Wir hatten in Deutschland zu lange eine Verteilmentalität“, sagte Schumacher.

Der Zumtobel-Chef, der in Personalfragen traditionell nicht lange fackelt, hat vor wenigen Monaten die Vertriebsmannschaft in Deutschland ausgetauscht. Ziel ist es nun auf einen Marktanteil von zwölf Prozent zu kommen, sagte ein deutscher Insider. Zum Vergleich besitzt das Unternehmen in Österreich einen Marktanteil von 36 Prozent und in der Schweiz von 24 Prozent. In Europa insgesamt liegt der Marktanteil nach Unternehmensangaben bei zwölf Prozent.

Nachdem Schumacher im Herbst den Chefsessel bei Zumtobel übernommen hat, baut er den Konzern um. Zumtobel ist eines der weltweit führenden Beleuchtungsunternehmen. Der in Vorarlberg ansässige Konzern mit noch über 7000 Arbeitskräften illuminiert Straßen, Büros, Industrieanlagen und Läden.

Schumacher fährt mit Fabrikschließungen und dem Abbau von 600 Arbeitsplätzen einen harten Sanierungskurs. Insider gehen aus, dass noch weitere Stellen abgebaut werden. Schumacher wollte dazu in Dienstag keine Angaben machen.

Er sagte nur vieldeutig: „Wir sind bislang erst zehn Prozent des Weges gegangen.“ Der deutsche Manager möchte aus dem Leuchtenhersteller eine „Art Google der Lichtindustrie“ in einer vernetzten Welt machen. Künftig sollen Leuchten auch Informationen für ihre Nutzer liefern oder im Verkehr den Weg zu freien Parkplätzen weisen.

Im dritten Quartal rutschte der Leuchtenhersteller vor allem wegen der Aufwertung des Schweizer Frankens in die Verlustzone. Im laufenden Geschäftsjahr 2014/15 geht Zumtobel von Sanierungskosten von 25 Millionen Euro aus. Die Erlöse sollen aber um drei Prozent steigen, die bereinigte Ergebnismarge auf bis zu sechs Prozent zulegen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Zumtobel : Leuchtenhersteller greift deutschen Markt an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%