Zur geplanten Gesetzesänderung
Brauer haben Angst vor Gentechnik im Bier

Die regionalen Brauereien fordern einen strikten Schutz vor gentechnisch veränderten Rohstoffen im deutschen Bier. Die geplanten Änderungen der Bundesregierung im Gentechnikgesetz seien nicht ausreichend, hieß es.

HB BERLIN. Sonst drohten nicht kalkulierbare Risiken, die auch die Verbraucher verunsicherten, teilte der Verband Private Brauereien Deutschland am Dienstag in Berlin mit. Von der Bundesregierung geplante Änderungen des Gentechnikgesetzes reichten aber nicht aus, herkömmlich angebaute Grundstoffe wie Gerste, Weizen oder Hopfen vor einer Vermischung mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu bewahren. Nötig sei ein Abstand zu Feldern mit Genpflanzen von mindestens 300 Metern statt der bisher diskutierten 150 Meter. Genfelder müssten klar gekennzeichnet werden.

„Deutsches Bier muss auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben“, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Roland Demleitner in Berlin. Angesichts erster Freilandversuche mit gentechnisch veränderter Gerste in Hessen und Weizen in Sachsen-Anhalt müsse es aber heißen: „Wehret den Anfängen“. Nötig sei dafür eine Kennzeichnung von Lebens- und Futtermitteln mit Gentechnikanteil bereits ab 0,1 Prozent, was nach derzeitigen Analysemethoden der niedrigstmögliche Grenzwert sei. Für Bauern, die Gentechnik verwenden, müssten strenge Haftungsregeln gelten. Der Verband Private Brauereien vertritt rund 800 kleine und mittelgroße Brauereien mit einem Marktanteil von etwa 20 Prozent.

Der Deutsche Brauer-Bund, dem auch überregional agierende größere Unternehmen angehören, lehnt eine Verwendung gentechnisch veränderter Rohstoffe ebenfalls ab. „Wir brauchen keine Gentechnik für deutsches Bier“, sagte Hauptgeschäftsführer Peter Hahn der Deutschen Presse- Agentur dpa. In der Diskussion über das Gentechnik-Gesetz gelte es wachsam zu sein, die Gefahr einer Aufweichung zentraler Standards sei aber derzeit nicht zu sehen.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will mit dem Gesetz strenge Regeln zum Anbau von gentechnisch verändertem Mais einführen. Verbände und die Grünen kritisieren, dass der geplante Abstand von 150 Metern zwischen herkömmlichen Pflanzen und Feldern mit genverändertem Mais zu gering ist. Seehofer prüft derzeit einen weiteren Abstand in Naturschutzgebieten. Den künftigen Saatguthandel mit der Maissorte MON 810 hatte der Minister wegen möglicher Umwelt- Gefahren vorerst gestoppt.

Die Grünen-Bundestagsfraktion fordert einen fünfjährigen Aufschub für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. „Es gibt viele ungeklärte Sicherheitsfragen, die dringend erforscht werden müssen“, sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. „Außerdem wird es für Landwirte und hier besonders die Biobauern immer schwieriger und kostenintensiver, gentechnikfrei zu produzieren.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%