Zur Verlagerung gezwungen
INA-Chef hält Stellenabbau bei FAG für den richtigen Weg

Jürgen Geißinger hat die geplante Verlagerung von rund 1000 Stellen der Konzerntochter FAG Kugelfischer ins Ausland verteidigt und für eine Ausweitung der Wochenarbeitszeiten in Deutschland plädiert.

HB MÜNCHEN. Im Gespräch mit Medien wies Geißinger darauf hin, dass das von der Schließung bedrohte FAG-Werk in Eltmann mit 673 Arbeitsplätzen Komponenten für Standard-Kugellager produziert. „Standard-Produkte haben in Deutschland keine Chance mehr“, betonte er: „Hier nimmt die Konkurrenz in den Niedriglohnländern so gewaltig zu, dass wir auch mit bestem Willen nicht mehr wettbewerbsfähig sind.“ INA sei auch deshalb zur Verlagerung gezwungen, weil die Automobilhersteller angesichts der Rabattschlacht in der Branche ihren Kostendruck auf die Zulieferer abwälzten.

FAG hatte vergangene Woche angekündigt, den Standort Eltmann 2006 zu schließen und mittelfristig weitere 356 Arbeitsplätze am Stammsitz in Schweinfurt abzubauen. Zusätzlich wurden die in Deutschland verbleibenden 6 200 Mitarbeiter zu Kürzungen bei übertariflichen Leistungen sowie einer Ausweitung der Arbeitszeit aufgerufen. Belegschaft und IG Metall haben massiven Widerstand angekündigt.

Geißinger plädierte für eine Ausweitung der Wochenarbeitszeiten in Deutschland. „Auf Grund des hohen Kostendrucks müssen wir in den INA-Betrieben die Kosten um zehn Prozent senken“, sagte er. „Das ist zwingend. Wie wir das dann erreichen, ist dabei nicht so wichtig.“ Die einfachste Lösung sei die Wiedereinführung der 38-Stunden-Woche. Dies habe die IG Metall aber verhindert.

Unterdessen demonstrierten vor der Firmenzentrale nach Gewerkschaftsangaben 3 000 Beschäftigte des Wälzlagerherstellers die geplante Verlagerung. Zeitgleich trafen sich Betriebsrat und Vorstand zu einem ersten Sondierungsgespräch. Im Anschluss daran sagte FAG-Sprecher Thomas Reuß, die weiteren Verhandlungen würden „ergebnisoffen“ geführt. „Betriebsrat und Unternehmensführung haben ihre Positionen klargemacht. Nun soll ohne Vorbehalte miteinander geredet werden“, betonte er. Noch für diese Woche sei ein weiteres Gespräch geplant.

Der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Schweinfurt, Klaus Ernst, wertete den Ausgang der Verhandlung als ersten Erfolg. Die FAG-Führung habe nun die Möglichkeit, ein vernünftiges Angebot vorzulegen. „Bei FAG geht es schließlich nicht um eine Sanierung, sondern darum, dass eine sehr, sehr reiche Firma noch reicher werden soll“, betonte Ernst. Weitere Protestaktionen seien zunächst nicht geplant.

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